Heutige Spuren des Bergbaus

Den Lungauer Anteil am ehemaligen Bergbaugebiet erreicht man über das Weißpriachtal. Die normal befahrbare Straße endet beim Parkplatz an der Einmündung des Znachbaches in den Weißpriachbach, gleich hinter dem Lonkatörl. Von hier führt ein Almaufschließungsweg das nach Norden weisende Znachtal hinauf bis zur Greinmeister Alm (1620 m). Bei der Almhütte zweigt der heute unscheinbare ehemalige Knappensteig in östlicher Richtung ab. Etwa 500 m östlich der Alm zeugen Holzstempel und mit Schlich gefüllte Waschtröge am rechten Bachufer von einem ehemaligen Poch- und Waschwerk.

Der Steig führt in Serpentinen in das Knappenkar hinauf, wo die in Trockenmauerung aus Gneisplatten und -blöcken gefügten, nur mehr kärglich erhaltenen Überreste der zuletzt 1927 bewohnten Knappenhäuser stehen (2240 m). 

Dank einer Initiative der Neigungsgruppe Höhlenforscher der Alpenvereins-Sektion Schladming wurde Anfang der 1980er Jahre die Restaurierung tw. verfallener bergbaulicher Einrichtungen in Angriff genommen. 1984 konnte der „OeAV-Stollenlehrpfad Zinkwand-Vöttern" fertiggestellt werden, sodaß Teilbereiche des Grubengebäudes der Zinkwand und auch Stollen des Vötternrevieres (letztere nur auf steirischer Seite) dem interessierten und entsprechend ausgerüsteten Touristen wieder zugänglich sind.

Der Zustieg zu den Einbauen auf Lungauer Seite erfolgt, von den Knappenhäusern ausgehend, einem Schneekragen entlang zum Wandfuß. Von dort führt der mit Perlonseilen, Stahlstiften und einer Aluleiter versicherte Knappensteig, in der Wand ziemlich ausgesetzt der Hauptbrande entlang, bis zur Bergschmiede (2295 m) hinauf. Diese wurde in einer geräumigen Kaverne im Bereich der Mundlöcher von unterem Zinkwandstollen und Schmiedenstollen eingerichtet.

Die Schmiede ist zugleich Ausgangspunkt der Untertagetour. Man gelangt von hier aus über eine kurze Wendel in den oberen Zinkwandstollen. Von diesem geht es durch einen etwa 8 m hohen Schurf - durch den übrigens die Landesgrenze verläuft - in den höchstgelegenen, im Rahmen des Stollenlehrpfades befahrbaren Teil der Grube, den Himmelskönigin- oder Zinkwandstollen. Die noch höheren Horizonte, Rosa und Heiligengeist, wurden nicht erschlossen, ihre Befahrung ist aus Sicherheitsgründen nicht ratsam. Dasselbe gilt für die tieferen Einbaue mit ihren ausgedehnten Strecken und Abbauen, namentlich den Mutter-Kirchental-Stollen, dessen Mundloch auf der steirischen Seite verstürzt ist. Die Himmelskönigin ist ca. 120 m in E-Richtung, am Hangendblatt der Brande entlang der Silberkluft-Scharung, aufgefahren und führt auf der steirischen Seite wieder ins Freie. Stellenweise ist ein dm-mächtiger Ankeritgang in der Firste aufgeschlossen, der mitunter noch Ni-Erzspuren enthält, erkennbar an den blaßgrünen Nickelblüte-Überzügen. Im steirischen Streckenabschnitt sieht man einen bis 80 m hohen Versuchsaufbruch im Bereich der Silberkluft, der aus einer jüngeren Bergbauperiode stammt. Dort wurden noch in 25 m Entfernung von der Scharung 5-10 cm mächtige Ni-Vererzungen angetroffen. Nur etwa 10 m vom steirischen Mundloch entfernt zweigen bei einem Schacht, der zum Mutter-Kirchental-Niveau hinunterführt, nach Süden die Fürst-Lobkowitz-Zechen ab, welche in einem bis 30o steilen, etwa 70 m langen, S- bis SSW-verlaufenden Aufbruch enden.

Die einzige, dafür riesige Abraumhalde auf Salzburger Seite erstreckt sich in einer Breite von 130-140 m vom Wandfuß unterhalb der Einbaue (2240-2250 m) bis zum Karboden hinunter (2160-2170 m). Das Haldenmaterial ist vielfach mit herabgefallenen Gesteinsblöcken (Biotit- und Hornblendegneise bis -schiefer, chloritreiche Schiefer) durchsetzt. Aus dem Bergbau stammt vorwiegend brandig angewittertes Material in durchwegs faust- bis kopfgroßen, vereinzelt auch m3-großen Platten und Blöcken. Die meisten sind taub und enthalten lediglich ankeritisches Gangkarbonat. Ni-Co-Erze und auch Fahlerz oder andere Sulfide, wie Magnet- und Kupferkies, findet man nur in relativ geringen Mengen. 

Dieser Umstand ist nicht weiter verwunderlich, wurde doch der Bergbau hpts. von Schladminger Seite aus betrieben. Außerdem weisen die Stollen, der Scharungslinie entsprechend, ein mehr oder weniger starkes Gefälle nach Osten auf. Folglich förderte man die Erze auf steirischer Seite aus dem Berg. Dort zeugen noch etliche ausgedehnte und z.T. auch erzreichere Halden davon. 

Infolge der Steilheit ist die vegetationslose Halde im Knappenkar von mehreren Ersosionsrinnen durchzogen, vor allem am Südostrand. Der Knappensteig quert sie im oberen Teil. Etwa 10-15 m südöstlich der großen Abraumhalde weisen ein direkt neben dem Steig im Blockschutt angelegter Schneekragen und eine unbedeutende taube Halde auf das sogen. Silbergrübl (2175 m) hin.

Auf die Darstellung des Vötternrevieres wurde hier bewußt verzichtet, weil dieses ausschließlich auf der NW-Flanke, vom steirischen Vötternkar aus, bergmännisch bearbeitet wurde. Im Knappenkar am südlichen Wandfuß des Vötternspitz existiert ein offensichtlich nur begonnener, ca. 4 m tiefer Schurfstollen (2385 m). Er wurde in der Vöttern-Hauptbrande (s 015/30 - 026/42), an der Scharung mit einer markant durch die Wand streichenden, SE-einfallenden Struktur (st 115/55) angeschlagen. 

Auch wenn die Kubatur der Zinkwand-Halde, grob geschätzt, an die 30.000-40.000 m3 betragen dürfte, so ist doch der Anteil an Schwermetall- und Arsen-hältigen Erzen als ziemlich gering einzuschätzen. Da ausßerdem die Ni-Co(-Fe)-Arsenide wie auch das Fahlerz stets von mehr oder weniger grobspätigem Ca-Mg-Fe- oder Ca-Karbonat begleitet werden, wird die Verwitterung der Erze und Mobilisation von Schwermetallen hintangehalten. Darüber hinaus sind gerade die hier vorhandenen Ni-Co(-Fe)-Arsenide nur im stark sauren Milieu einigermaßen löslich; unter atmosphärischen Bedingungen bilden sich ebenfalls schwer lösliche, wasserhältige Arsenate.

Weitere in bezug auf eine Kontamination günstige Umstände sind in der vorherrschenden Grobstückigkeit des Abraumes sowie in der weitgehend trockenen Lage der Halde am unmittelbaren Wandfuß zu sehen. Die zusitzenden Bergwässer ziehen, dem Gefälle der Stollen und Schächte folgend, quantitativ zur steirischen Seite hin ab.

Die fehlende Vegetationsbedeckung ist, trotz sonnseitiger Exposition der Halde, in erster Linie durch den trockenen Standort und das grobblockige Material bedingt, wodurch kaum eine Humusbildung stattfinden kann. Die hochalpine Lage des Terrains gestattet hier ohnedies nur eine bescheidene almwirtschaftliche Nutzung als extensive Schafweide während der Sommermonate. Eine Kontamination von Futterpflanzen erscheint aus den geschilderten Gründen unwahrscheinlich.

 

Text: Dr.Feitzinger, St.Gilgen


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