Bergbaugebiet Zinkwand
Montangeologischer Überblick

Das hochalpine Bergbaugebiet Zinkwand-Vöttern liegt im äußersten Westabschnitt des Hauptkammes der Schladminger Tauern an der steirisch-salzburgischen Landesgrenze. Der Name Zinkwand ist irreführend, zumal dort nie Zinkerze abgebaut wurden; die Bezeichnung ist vielmehr auf die Zacken(=Zinken)form des Berges zurückzuführen.

Das Altkristallin der Schladminger Tauern wird zur großtektonischen Einheit des Mittelostalpins gestellt. Nur ca. 1 km westlich des betrachteten Gebietes verläuft die Deckengrenze, an der das Mittelostalpin auf die unterostalpinen Einheiten des Radstädter Permomesozoikums aufgeschoben wurde. Letzteres besteht im wesentlichen aus permoskythischen Quarziten (Lantschfeldquarzit) bis Quarzphylliten sowie darüberfolgenden Karbonatgesteinen der mittleren und oberen Trias (Kalke und Dolomite, Rauhwacken; z.B. Steirische und Lungauer Kalkspitze).

Das Schladminger Altkristallin gehört zum tiefsten lithostratigraphischen Stockwerk der Muriden(Muralpen)-Decke, welche wiederum von der höheren Koriden (Koralpen)-Decke tektonisch überlagert wird. Wesentliche Bauelemente sind ein Plagioklasgneiskomplex (Ammering-Komplex), der lateral in einen vulkanogenen Komplex mit wechsellagernden Plagioklasgneisen und Amphiboliten übergeht (BECKER 1981). Die nichtmetamorphen Ausgangsgesteine werden als Tuffe und Laven eines kalkalkalischen und alkalischen Vulkanismus interpretiert, welche im Kambrium über einer Subduktionszone in einem Inselbogen oder aktiven Kontinentalrand gebildet wurden. Während der variszischen Orogenese erfuhr die vulkanosedimentäre Abfolge eine hochgradige metamorphe Überprägung. Gleichzeitig kam es zu Gesteinsaufschmelzungen in tieferen Krustenbereichen und damit zu prä- bis syntektonischen Granitintrusionen. Die granitoiden Gesteine wurden im Zuge der alpidischen Gebirgsbildung zu Orthogneisen umgewandelt, wie man sie vor allem östlich des Bergbaugebietes vorfindet (z.B. am Hochgolling). Die altpaläozoische vulkanogene Abfolge erlitt eine retrograde metamorphe Überprägung (Diaphthorese), z.T. verbunden mit einer stärkeren tektonischen Beanspruchung, insbesondere einer Verschieferung der Gesteine, was vor allem bei Hellglimmer- und Chlorit-reichen Gneisen, Schiefern und Quarzphylliten zum Ausdruck kommt.


Geologie und Tektonik

Der Bereich Zinkwand-Vötternspitzen wird von einem flach (10-25°) N-fallenden Schiefer- und Gneispaket aufgebaut. Innerhalb der vulkanosedimentären Serie sind rostigbraun anwitternde und deshalb schon aus der Ferne auffällige, Pyrit- und Magnetkies-führende Gesteinshorizonte charakteristisch, die traditionell als Branden bezeichnet werden. Die Ni-Co-Vererzung ist signifikant mit einzelnen Brandenhorizonten assoziiert. Diese sind als hydrothermal stark veränderte, insbesondere an Quarz angereicherte kristalline Schiefer anzusehen, wobei Quarzlinsen und -lagen häufig sind. Als sedimentäres Edukt kommt ein an Kohlenstoff, Schwefel und Eisen reicher, dünnschiefriger Tonschiefer (Schwarzschiefer) in Betracht. Die Sulfidführung tritt entweder feinlagig entlang der ursprünglichen sedimentären Schichtung auf oder ist imprägnationsartig im Gestein verteilt.

Die unmittelbar im Liegenden und Hangenden angrenzenden Nebengesteine der Branden sind überwiegend quarz- und chloritreiche, Hellglimmer-führende, jedoch Hornblende-arme oder -freie Gneise, Schiefer oder Phyllite. Auf der Lungauer (SW-)Seite der Zinkwand ist die durchschnittlich 60° N-fallende Hauptbrande, von den alten Bergleuten als Neualpner Brande bezeichnet, als markantes breites Band innerhalb der quarzreichen Phyllite und Phyllitgneise aufgeschlossen. Die Mehrzahl der Einbaue ist entlang der Hauptbrande angelegt. Zum südöstlichen Wandfuß hin streichen mehrere, deutlich schmälere Liegendbranden aus; etwa 60 m über der Hauptbrande folgt eine geringmächtigere Hangendbrande.

Am Grat zum Vötternspitz treten mehrere weitere Branden sowie eine markante Störung in Erscheinung, wobei sich die Vöttern-Hauptbrande in einer etwa 300 m höheren (stratigraphischen oder tektonisch bedingten) Position der Abfolge befindet als die Zinkwand-Hauptbrande.


Erzkörper

Die Ni-Co-Erze treten in Adelszonen (Veredelungszonen, Erzfälle) jeweils dort auf, wo jüngere, im Hinblick auf die Branden widersinnig einfallende, steil stehende Karbonatgänge die im Schnitt 6-15 m mächtige Hauptbrande durchschlagen. Meistens handelt es sich um taube Ankeritgänge, einige (namentlich die Silberkluft) führen auch Fahlerz. Daraus resultieren weitgehend lineare Erzkörper mit flachem Eintauchen der Achsen mehr oder weniger in westliche Richtung. Dieses Charakteristikum des Vererzungstypus Zinkwand war natürlich schon den Bergleuten früherer Jahrhunderte bekannt, denn die Auffahrungen folgen diesen Scharungslinien, d.h. den Schnittkanten zwischen Gängen und Brande.

In einiger Entfernung von den Scharungen vertaubt die Brande. Auch treten die Adelszonen bevorzugt entlang der Scharungen dicht gruppierter Gänge mit der Brande auf. Auf der Zinkwand lieferten die Scharungen der Silberkluft, des Neualpner-, Rosa- und Heiligengeistganges abbauwürdige Erzkonzentrationen. Im Hangenden der Hauptbrande sind sämtliche Gänge mit Ausnahme der Silberkluft taub. Im Liegenden führt der Neualpnergang Arsenkies mit gediegenes Arsen, die anderen enthalten mehr oder weniger reichlich Fahlerze. 

Die Silberkluft ist ein 30-50 cm starker, Fahlerz-führender Karbonatgang, der 50-70°o nach S (175-195o) verflächt und vermutlich schon im ausgehenden Mittelalter nahezu vollständig bis zum Tagausbiß verhaut wurde. Die Ni-Erze an der Scharung waren hier auf eine Saigerhöhe von ca. 20 m abbauwürdig und bis zu 0,6 m mächtig. Die Rosa-Scharung verarmte nach 38 m Auffahrung im Rosastollen; die Heiligengeist-Scharung liegt noch höher und wurde vom Rosastollen mit einem 46 m langen Aufbruch angefahren. Man fand jedoch nur Erzspuren vor.

Die Liegend- und Hangendbegrenzung der Branden ist oft in Form von Harnischflächen ausgeprägt, neben den Obertage-Störungen ein weiteres Indiz für die tektonische Überprägung der vulkanogenen Serie im Bereich der Lagerstätte. Die Verschiebungsbeträge sind allerdings gering. Mitunter sind auch Zwischenblätter eingeschaltet. Am Liegendblatt tritt öfters ein fein gefältelter, schwärzlicher Tonschiefer in Erscheinung.

Häufig fiedern die Karbonatgänge im Nahbereich der Brande zu einem regelrechten Geäder oder Stockwerk auf; die einzelnen Adern sind 0,5-5 cm, seltener 8-10 cm, stellenweise sogar 20-50 cm stark. 8-10 und mehr derartige Gängchen verteilen sich dabei auf 1-2 m Gesteinsmächtigkeit. Die Dicke der Adern ist selbst auf kurze Distanzen recht variabel.


Mineralisationsphasen

FRIEDRICH (1933) unterscheidet mehrere zeitlich aufeinanderfolgende Vererzungsphasen mit den zugehörigen hauptsächlichen Mineralien:

Die Erze kommen in unregelmäßigen Adern, Nestern und Putzen vor. Die Ni-Co-Arsenide sind meist dicht bis pflasterartig verwachsen, auch ein schaliger Aufbau, der auf Kristallisation aus Gelen hinweist, ist üblich. Infolge der vorherrschenden Feinkörnigkeit ist eine makroskopische Unterscheidung der diversen Minerale untereinander nur schwer bis kaum möglich, wenn man vom auffällig gefärbten Rotnickelkies einmal absieht. Umgekehrt sind blaßgrüne oder zartrosafarbene Anflüge von Nickelblüte (Annabergit) bzw. Kobaltblüte (Erythrin) recht hilfreich, erzhältige Stücke auf der Halde zu identifizieren. An weiteren Sekundärmineralien sind noch Fe-, Ca- und Mg-Arsenate bekannt, wie z.B. Symplesit und Pharmakolith. Die begleitende Karbonat-Gangart ist mehr oder weniger grobspätig, tw. auch pinolitartig kristallisiert.


Genetische Aspekte

Die spröden Arsen- und Ni-Co-Erze zeigen häufig kataklastische Zerbrechung bis Zerreibung, auch schwache Verschieferung kommt vor. Es müssen sich also nach der Haupt-Ni-Co-Erzbildung noch Bewegungen in der Lagerstätte abgespielt haben, wenngleich ihr Ausmaß relativ gering erscheint. Die Bewegungen dürften mit den von Hießleitner beobachteten Störungen zusammenhängen. Aufgrund der beobachteten Erzgefüge stuft Friedrich die Tektonik der Zinkwand jedoch im wesentlichen älter ein als die Vererzung. Er stellt letztere ins Jungtertiär, zumal sie von keinem gebirgsbildenden Vorgang mehr überprägt wurde (sei es eine metamorphe Umkristallisation oder größere tektonische Beanspruchungen, etwa im Zuge der Aufschiebung des mittel-ostalpinen Schladminger Kristallins aufdas Unterostalpin der Radstädter Decke im unmittelbaren Nahbereich der Lagerstätte!). Auch Ähnlichkeiten mit anderen gangförmigen Vererzungen der Ostalpen, etwa Hüttenberg in Kärnten,den Tauerngoldgängen oder - mit Einschränkungen - der tw. älter angelegten Kupferlagerstätte Mitterberg sprechen dafür.

Friedrich sieht genetische Beziehungen der Lagerstätte zu einem sauren bis intermediären Magma. Neuere geochemische Untersuchungen weisen allerdings auf einen ursprünglich sedimentären Absatz der Metalle im Zusammenhang mit der Sedimentation von Schwarzschiefern - den jetzigen Branden - hin. Während der alpidischen Orogenese kam es zu einer Remobilisation in den diskordanten Gangstrukturen und zur Bildung von Adelszonen im Bereich der Scharungen (PROCHASKA 1993).

Die Lagerstätte gilt insbesondere durch die Studien Hießleitners als mehr oder weniger vollständigverhaut und ist, vor allem wegen ihrer abgeschiedenen Lage in hochalpinem Gelände und der damit verbundenen mangelhaften Infrastruktur, als vollkommen unwirtschaftlich zu betrachten.

 

Text: Dr.Feitzinger, St.Gilgen


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