Frauen- und Kinderarbeit


Schneekragen

Eine andere Transportart war im Winter der sogenannte "Sackzug". Das ausgemusterte Erz wurde oben bei den Stollen in Säcke aus roher Schweinshaut verpackt und so auf dem Schnee zu Tal befördert. An der Zinkwand sieht man noch genau den schmalen und einstmals gedeckten, wintersicheren Gang, der vom Hauptstollen zu den Knappenhäusern herüberführte, dann rechtwinkelig abbog und auf einer hohen Böschungsmauer oben ins Freie mündete.

 Wenn man das im Sommer anschaut, dann ist einem dieses Bauwerk völlig unverständlich. Bedenkt man aber die Schneehöhe des Winters und diese Art des Transportes, dann wird einem das Ganze sofort klar: Das gebrochene und gemusterte Erz wurde drüben in den Stollen gelagert und im Winter in die Säcke verpackt und auf "Huntten" durch den Gang herüber befördert und in den hohen Schnee hinausgestoßen; dann sausten die Säcke durch eine Schneerinne hinunter, mußten aber stellenweise auch von den Knappen gezogen werden. 

Diese Arbeit mag manchesmal gar nicht so ungefährlich gewesen sein. Dieses charakteristische Transportmittel machte es nötig, daß auch Frauen als Sack-Näherinnen eigens angestellt wurden und diese Arbeit war zum Beispiel bei den Goldbergwerken in Gastein und Rauris und natürlich genau so hier in Weißpriach als Nebenverdienst besonders begehrt, sodaß die Amtsleute des Bergwesens sie sogar für die eigenen Ehehälften zu reservieren suchten. Im übrigen muß der Verschleiß jener derben Säcke ganz erheblich gewesen sein, sodaß auch die Schweinezucht dadurch gesteigerte Bedeutung erlangte und jeder Weißpriacher Bauer z. B. verpflichtet war, jährlich auch ein Schwein an das Domkapitel zu liefern. Die Schweinshäute waren begehrt.

Auch in der Aufbereitung der Erze waren Frauen als "Wäscherinnen" tätig. Sie mußten auf unterschiedliche Weise aus dem gepochten Erze den sogenannten "Schlich" herausschlämmen. 

Auch Kinderarbeit ist in den Zeiten der Hochkonjunktur nicht selten gewesen. Buben von zwölf Jahren wurden häufig schon als "Klaube-Buben" angestellt, ehe sie zu "Reinscheidern" und "Hunttstößern" aufrückten; sie mußten die "Huntte" = Rollwägelchen aus den Stollen heraus zu Aufbereitungshalden schieben. 


Hölzerner Waschtrog

Aus der Orts-Chronik von Weisspriach

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