Die Bergbau - Schutzheiligen

Im religiösen Leben der Bergleute nahm, getragen von der katholischen Tradition, die Heiligenverehrung einen breiten Raum ein. In großen Bergbaugebieten begann die tägliche Arbeit sogar mit einem kollektiven Morgengebet.

Zahlreiche Kirchen, Kapellen und Altäre wurden daher im Alpenraum dem Schutzheiligen des Bergbaus geweiht. Gewerken und Knappenbruderschaften waren auch angehalten, nach Möglichkeit "zu dem Gotteshaus einen Beytrag zu thuen". In der Pfarrkirche Mariapfarr findet man noch heute ein Votivbild aus dem Jahre 1760, welches die hochfürstlichen Knappen Josef und Johann Unterrainer stifteten.

Bei der Benennung von Gruben und Stollen tauchen immer wieder Heiligennamen auf, wie etwa St.Johann, St.Georg, St.Cordula, St.Martin oder St.Anna. Auch die Bezeichnung "unsere Frau" oder "Himmelskönigin" deuten auf die Gläubigkeit der Bergleute hin. Als die bekanntesten Bergbauheiligen im Alpenraum gelten heute noch die heilige Barbara, die heilige Anna und der heilige Daniel.


Die Heilige Anna

Vor allem im Silberbergbau erstreckte sich der bergmännische Kult um St. Anna über große geographische Breiten.

Anna war die Mutter der Jungfrau Maria, die Jesus gebar. Als mittelalterliches Sinnbild Mariens galt der Mond, das ihres Sohnes Jesus war die Sonne. Noch heute findet man den Halbmond als Symbol für Silber, die Sonne als jenes für Gold.

Die heilige Anna versinnbildlichte also ein Bergwerk, aus dem diese edlen Metalle hervorgingen. Ihr Schoß war gleichsam ein heiliger Mutterboden der den Bergleuten Segen spendete.


Der Heilige Daniel

Auch er erlangte im Leben der mittelalterlichen Bergleute eine besondere Bedeutung. Aufgrund seiner Legende wurde er zum Schutzpatron für die Erzsuchenden.

Der Legende nach träumte Daniel von einem Nest mit silbernen Eiern im Geäst einer Baumkrone. Als er dort vergeblich suchte, wies ihn ein erschienener Engel auf das "Geäst" des Baumes unter der Erde hin.

Daniel begann daraufhin mit dem Schürfen im Boden und fand so tatsächlich ein "Erznest".


Die Heilige Barbara

Sie gilt in der heutigen zeit als die bekannteste der Bergbaupatroninnen und wird außerdem von den Architekten, Bauarbeitern, den Artilleriesten, den Gießern, den Metallarbeitern und von den gefangenen verehrt. Die Legende erzählt von der Tochter eines Heiden namens Dioseuros aus Nikodemien (Türkei). Barbara sollte nach dem Willen ihres Vaters mit einem Ungläubigen seiner Wahl verheiratet werden. Diesen Wunsch widersetzte sich die Tochter, indem sie ihr Leben Christus verschrieb. Dioseuros war darüber so erzürnt, daß er die Widerspenstige in einem Turm einschloß. Barbara gelang aber die Flucht und sie kam zu einem Felsen, der sich vor ihr auftat und ihr Schutz bot.

Tod der Heiligen Barbara Der Verrat durch einen Hirten ermöglichte jedoch eine neuerliche Festnahme, der schwere Folterungen folgten. Nachdem auch die schlimmsten Schmerzen die junge Frau nicht von ihren Glauben abbringen konnten, schlug ihr der Vater eigenhändig den Kopf ab.

Der geöffnete Berg, das Barbara Zuflucht bot, stellte die Verbindung zu den Bergleuten her, die durch ihren Gruß "Glück auf" das Öffnen der Berges und die Freigabe der Erze erbitten. Barbarafeiern im Bergbau am 4. Dezember sowie der Brauch Kirschzweige ins Wasser zu stellen, sind eine alte Tradition, die sich in dieser Legende begründet.


Barbara Brauchtum

Es bestehen zahlreiche kulturelle Phänomene, die mit der Schutzheiligen der Bergleute untrennbar verbunden sind; in allen spiegelt sich das Bedürfnis wieder, sich des Schutzes der Heiligen zu versichern.

Barbaratag: Der 4. Dezember jeden Jahres ist der Heiligen gewidmet. Er wird auf den Bergwerken in angemessene rahmen gefeiert.

Barbarasegen und Barbaragebete: Am Barbaratag wurde in vielen Bergorten eine kirchliche Segensandacht oder auch eine Barbaramesse gelesen, meist in Verbindung mit einem Gedenken der verstorbene oder verunglückte Bergleute. Im Anschluß an den Segen feierte man meist eine Barbarafeier.

Barbaralieder und Barbaraspiele: Das älteste aus Prag stammende Barbaralied wurde 1655 geschriebene, vereinzelt sind auch Bühnenstücke bekannt geworden.

Barbarafahnen: Zahlreiche Knappschaftsfahnen zeigen das Bildnis der Schutzpatronin des Bergbaues.

Barbaralicht: Im österreichischen und schlesischen Bergbau war es üblich, am Barbaratag in den Stoß kleiner Nischen zu hauen, um ein Barbarabild und ein Grubenlicht hineinzustellen. Im Goldbergbau von Rauris wurde alljährlich eine brennende Kerze am Barbaratag zu Ehren der Heiligen aufgestellt.

Barbarabrot: Ebenfalls in Rauris legten die Bergknappen am Barbaratag ein Brot für die Berggeister aus, damit sie ihnen gewogen blieben. Aber auch die Gewerken verteilten alljährlich am Barbaratag ein besonderes Brot ("Strutz") an die Bergleute als Dank für die geleistete Arbeit.

Barbarazweige: Wenn am Barbaratag geschnittene Kirschenzweige im Hause bis Weinachten oder Neujahr aufblühen, dann bedeutet dies Glück oder die Erfüllung eines Wunsches.


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