Die Lungauer Bergbau-Chronik
nach Max Ritter von Wolfskron

Teil 10: von 1726 bis 1750


Jahr
Informationen
Quelle (*)
1726 Im Hochrinngraben in der Mißlitz werden mehrere reiche Silbergänge angetroffen.  III.
1726 Die Witwe des Villacher Handelfaktors Georg Allesch setzt ihr Hüttrauchwerk wieder in Betrieb, und erhält für 6 Jahre die Hälfte der Frohn nachgesehen. Um mit Erfolg gegen die Holländer concurriren zu können, erhält ihr Tochermann Sigmund Robinigg, der das Werk leitete, die Bewilligung, durch 12 Jahre 4000 Ztr. Hüttrauch durch das Erzstift mauthfrei, und durch die kaiserlichen Lande um die halbe Mauth führen zu dürfen.  M 81.
1728 Dem Josef Sünnhuber wird ein Verleihbrief auf das ganze Lungau gültig, ausgestellt.  B.
1729 Dem Josef Sünnhuber wird bewilliget, das Eisenwerk in Kendelbruck zu betreiben.  T. 81.
1730 Wegen unrichtiger Amtsführung des Ramingsteiner Verwesers Martin Kern wird dem Hüttenschreiber Johann Kaltenbrunner die alleinige Werksleitung übertragen.  T. 81.
1731 Der hochf. Bergwerkseinfahrer in Gastein, Georg Gottfried Neuberg, begibt sich auf Erlaß vom 23 Februar 1731 nach Ramingstein. Er findet den Augenschein am Marx Sittich-Stollen zwar unvergleichlich schön, doch das Erz im Wasser, bei den Siebenschläfern den Erzgang 4 Schuh dick, hingegen im Kräofen bei dem Wassergesenk nur 3 Daumen dick. Am Clobenstain? Ist das Erz 6 Schuh dick, ohne dessen Hangend noch erreicht zu haben, und befürwortet er dasselbe nur mit der Schießarbeit zu gewinnen.  III.
1731 Erklärung, daß alle Bergverwandten Ramingsteins der römisch-katholischen Religion ergeben seien.  T. 80.
1731 Der Verweser von Ramingstein Martin Kern berichtet am 3. Sept. l. J., daß er sich wegen des Aufruhrs in den Pfleggerichten Radstadt und Werfen nicht getraue, das erste Werksilber nach Salzburg zu schicken.  III.
1735 Ein vom Tischler Christian Gruber aufgezeigter Golderzanstand im Murwinkel wird am 23. Jänner l. J. vom Ramingsteiner Verweser Johann Gottfried Neuberg besichtigt, und dann mit 2 Knappen belegt. III.
1735 Das von demselben Tischler in der Linnitz aufgezeigte Silbererz hält im Stuf 1 Loth, und koncentrirter im Schlich 3 ½ Loth Silber (pr. 1 Ztr.), das dort befindliche Bleierz higegen 1 ½ Loth Silber und 68 ½ Pfd. Blei.  III.
1735 Im Linnitzwinkel bei der obern Pfarre wird nach Blei- und Zinkerzen (Galmei) gesucht. M. 81.
1735 Der Salzburger Kaufmann Reiffenstuell wird in gerichtliche Untersuchung gezogen, weil er offenbar gestohlene reiche Lungauer Golderze nach Neumarkt verkaufte.  III.
1737 Ein im Weißpriachwinkel neu entdekcter Gelferzanbruch wird in einer Längenausdehnung von 20 Klafter 4 Finger dick befunden. III.
1740 Josef Sünnhuber baut im Zederhaus in der Steinitzen Ein Kupfererz.  M. 80.
1741 Die Silbererzeugung in Ramingstein beträgt in diesem Jahre nur an Brandsilber 118 ½ Mark und feim 116 Mark, 9 Loth, 3 Q 3/16. M. 80.
1741 Josef Sünnhuber will im Zederhaus unweit des Dorfe Weißburg in einer Erlau ein Kupferschmelzwerk bauen.  III.
1741 Da das Ramingsteiner Werk seit dem Jahre 1670 in (…) beständigen Verbau ist, und sich kein Pächter mit zulänglichen Offerten findet, rathen die Kammerräthe den Arbeitern (sowie es in Tirol üblich) die Hälfte des in den Erzen enthaltenen Silberhaltes abzulösen, um sie dadurch zu längeren Schichten und flrißigerer Arbeit zu zweingen. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Knappen von 62 auf 40 reduziert.  III.
1741 n Ramingstein stehen folgende Grubengebäude in Arbeit: Am Kräofen: beim Grabmer Stollen, St. Leonhards Stollen, Fundgrube, Siebenschläferin, bei der Waldstuben, Mayringer Platz. Herrenbau. – Am Dürrenrain: bei der Häuerstube, am Anger, beim St. Barbarastollen, bei St. Cordula, und 2 Baue in der Ruepp Khochers Wiese. – Im Altenberg: bei der Brettsteingruben, beim weißen Wirth. – In der Mißlitz: beim Glücksbau.  III.
1742 Erze unter 2 Qt Silberhalt dürfen anch einer veuen Verordnung den Knappen nicht mehr abgelöst werden. Sonst erhalten sie pro 1 Loth Silber zwar 36 Kreuzer, müssen aber dafür die Frohn und sämmtliche Material-, Transpor- und Aufbereitungskosten zahlen.  T. 80.
1743 Im Mayringerbau in Ramingstein werden in einem alten verfallenen Stollen nach Angabe alter Knappen reiche Erze gefunden.  III.
1743 Beim Glücksbau im Mißlitzgraben, werden nach glücklich vollbrachtem Druchschlage, die Wässer aus dem ersten Gesenke völlig gelöst, und dabei 3 schmale aber sehr reiche Erzgänge wieder gefunden. III.
1743 Der Mannschaftstand betrug in diesem Jahre in Ramingstein I. beim Berge: 1 Bergobhutmann, 2 Unterhutleute, 2 Bergzimmerknechte, 15 Lehenhäuer, Truhenlaufer und Scheider, und 11 Herrenarbeiter. – II. bei den 2 Poch- und Waschwerken mit 5 Rädern und 88 Schüssern: 2 Waschhutleute, 4 Kernzieher, 4 Stockknechte, 3 Bruchlaufer, 6 Aufschlager und 46 Waschweiber. – III. in der Schmelzhütte: 1 Schmelzerhutmann, 1 Schmelzmeister, 2 Schmelzerknechte, 2 Röster, 1 Gestübmahcer und 1 Hüttenwächter. Ferner waren noch 1 Zimmermeister, 2 Zimmerknechte, 1 Handelsschmied, 1 Sagmeister und 9 Holzknechte beschäftigt. III.
1743 Sigmund Robinigg, Handelsmann in Villach, erhält für sein Hüttrauchwerk in der Mur auf 3 Jahre Frohnbefreiung.  M. 81.
1743 Der Bürger Balthasar Ernst aus Radstadt macht die leider nicth beachtete Anzeige, daß gestohlenes Ramingsteiner Hüttesilber durch eigene Personen an Innsbrucker Juden verkauft wird.  T. 80.
1744 Der landesfürstlich Commissär peter Philipp von Rauschenfels, welcher aus Anlaß einer Anzeige der Ramingsteiner Knappschaft vom 17. Juli l. J. dorthin kommt, konstatirt wahrhaft schauderhafte Umstände über die Gebahrung des Verwesers, welche die ganze Existenz des Werkes in Frage stellen. III.
1746 Um dem ganz in Verfall gerathenen Ramingsteiner Werke aufzuhelfen, sollen (wie 1692) die Hutleute und andere Verständige befragt werden. T. 80.
1747 Zwei Knappen des Gewerken Sünnhuber erbieten sich mehrere (von ihrem Herrn nicht bebaute) Kupfererzanbrüche im Zederhaus aufzuzeigen.  IV.
1747 Sowohl im Repertorium als auch dem Spitzzettel des betreffenden Aktenbundes findet sich „Georegen Hölzl’s Waschwerk alldort“ (in Ramingstein) erwähnt. IV.
1750 Carl von Schnedizeni, der schon 1749 als landesfürstlicher Commissär nach Ramingsstein gesendet wurde, entdeckt dort, daß der enorme Metallabgang von 80 % in erster Linie von einer durch die Arbeiter vermuthlich seit 1670 her betriebenen systematschen Probenfälschung herrührt. Außerdem wird der dortige Verweser Adam Harl endlich entlassen.  IV. T. 80.

(*) Quellen-Angaben lt. Wolfskron:
I – IV = Faszikel der Bergwesensregistratur B = berghauptmannschaftliche Akten
M = Akten des Pflegegerichtes St.Michael T = Akten des Pflegegrichtes Tamsweg
U.A. = Th. von Kleinmayers unparteiische Abhandlungen

 

Quelle: "Mitteilungen der Gesellschaft für
Salzburger Landeskunde, Band 24, Jahrgang 1884"
Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Rainer Wilflinger (GfSL)
Erfasst von Christina Hofmann, Tamsweg


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