Die Lungauer Bergbau-Chronik
nach Max Ritter von Wolfskron

Teil 9: von 1700 bis 1725


Jahr
Informationen
Quelle (*)
1700 Wolfgang Jakob von Wibmer, Hauptmann in Murau, bittet ihm das Kendelbrucker Eisenwerk zu verleihen.  B.
1701 Zur ferneren Belegung „des Silberglänzels“ im Mühlbach wird ein Wald zu Gruben- und Brandholz angewiesen.  I.
1701 In Ramingstein steht am Dürrenrain St. Cordula, St. Leonhard, der ST. Rupprechter Wetterschacht, am Marx Sittich die große haderbauer Lehenschaft, am Kräofen die Schloßpruggen, der alte Mayringer Stollen und Fundgrubner Hauptstollen mit 30 Knappen im Betrieb. Das erzeugte Stuferz hielt 2 – 2 ½ Loth und das Mittelerz 1 ¼ Loth Silber.  II.
1701 Die neuen Kendelbrucker Gewerken nehmen am 6. April 1701 Franz Pürchner als Verweser auf. Derselbe erhält nebst Freiquartier, 70 Pfd. Kerzen, einem Pferdedeputate von 60 fl. eine Jahresbesoldug von 300 fl. Für Reisen mit dem Pferde betragen seine Diäten 3 fl., und erhält derselbe außerdem noch ein Pauschale von 80 fl., um damit einem Schreiber Kost, Kleidung und Lohn geben zu können.  T. 80
1701 Dem Johann Jacob Freiherrn von Löwenheim, slazb. geh. Rath, Hofkanzler, Lehensprobst und Landmann, ferner Johann Mattheus von Maurer, salzb. Hofrath und Mitabgesandter auf dem Regensburger Reichstag, Wolfgang Jacob von Wibmern und Friedrich Mißhoffer, Bürger und Gastgeb zu Radstadt wird am 28. Juni 1701 das an der Schattseite im Mühlbachthale befindliche Eisensteinlager verliehen. Dasselbe wurde früher vom Ramingsteiner Handel betrieben.  T. 80.
1703 Der Bergwerksprotokollist Johann Christoff Scholl erhält den Auftrag Kendelbruck zu befahren, den Eisenstein zu besichtigen und Schmelzproben zu machen.  T. 80
1703 Der Kendelbrucker Gewerkschaft wird ein Eisensteinwaasenläufer im Mühlbachthale verliehen. B.
1703 Behufs Personalreduktion wird mit Verordnung vom 16. Jänner 1703 angeordnet, daß einstweilen 13 Ramingsteiner Knappen zum Fortifikationsbau nach Salzburg geschickt werden, und sollen dieselben später nach Abdienung ihres Pfennwerths abgelegt werden. Im Winter 1703 waren 35 Arbeiter am Berg und 19 beim Wasch- und Schmelzwerk beschäftigt.  II.
1704 Der Ramingsteiner Verweser berichtet, daß außer den schon zur Entlassung notirten 16 Knappen ohne Schaden für das Werk nicht mehr sal 10 höchstens 12 Arbeiter entlassen werden können.  II.
1706 Der Arbeiterstand zu Ramingstein beträgt bei Berge: 1 Bergoberhutmann, 2 Grubenzimmerer, 31 Lehenhäuer und Truhenläufer. – Beim Poch- und Waschwerk: 2 Wäscherhutleute, 3 Kernzieher, 5 Aufschläger, 4 Stockknechte, 2 Bruchförderer 1 Helfersknecht und 40 Waschweiber. – Bei der Hütte: 1 Schmelzerhutmann, 1 Schmelzmeister, 2 Schmelzerknechte, 2 Röster, 1 Gestübmacher, 1 Hüttenwächter, 1 Zimmermeister und 1 Zimmerknecht. Zu Walde waren 42 Personen, und die Summa aller Arbeiter 144 Personen . II.
1707 Der schlechte Wetterwechsel am großen Haderbau und die Verbindung von der Fundgrube zur Schloßpruggen machen Zubaue nöthig, und soll die dazu nöthigen Schienzüge (laut Dekret vom 30. Oktober 1707) der Großarler Verweser Bonifacius Khämbl und der Einfahrer in Gastein und dessen Sohn machen.  B.
1707 In diesem Jahre erscheint zum ersten Male in Ramingstein Sprengpulver, und zwar 25 Pfd. zu 21 kr. verrechnet, und ist auch des Sprengens beim Hauptzubau an der Schloßpruggen mehrfach gedacht.  II.
1707 Am 29. Dezember wurde am Dürrenrain im Fundgrubner Lehenort der vor 10 Jahren gesuchte Durchschlag auf den im Wasser befindlichen Ristnerbau glücklich zu Stande gebracht und das Wasser durch ein Bohrloch gefällt. Nach Lösung desselben nahmen auch die Wasser am Kräofen bei der Schloßpruggen bedeutend ab. II.
1707 Am Dürrenrain unweit des St. Leonhards Stollens, jenseits der Dreyerkluft soll, um die Erzgänge des noch unverhauten Gebirges aufzusuchen, in der Wiese des Khochers ein neuer Stollen aufgeschlagen werden  T. 80.
1707 Beim Waschwerk in Ramingstein ist wegen zu starken Wassergebens ein starker Silberabgang.  T. 80.
1707 In der Trebernigg oder Grüelblach im Tweng werden 2 reiche Erzgänge entdeckt.  II.
1707 Baron Benedict von Dückher wird als landesfürstlicher Commissär entsendet, um das in Pundschuch in der Greissenalm erfundene Eisenerzvorkommen zu besichtigen. Die Hälfte des dortigen Erzes wird vom Landesfürsten für Ramingstein, die andere Hälfte hingegen von der Kendelbrucker Gewerkschaft gebaut, welche bei diesen Unterhandlungen für den Rupertusritterorden durch Baron Alphons von Dückher, und für die andern Gewerke, durch Friedrich Mißhofer vertreten ist. Baron Benedict von Dückher erklärt das Kendelbrucker Werk für bauwürdig, doch durch schlechte Verweser und Hutleute verdorben.  M. 80.
1708 Die Kendelbrucker Gewerken bitten, ihnen das für den Ramingsteiner Handel ganz unnöthige Schlössel Finstergrün daselbst als Verweshaus zu überlassen.  T. 80.
1708 Da in den Fundgrubner Schächten Erze konstatirt wurden, so wird mit Verordnung vom 21. April 1708 befohlen, daß der Zubau bei der Schloßpruggen am Kräofen wieder belegt und energisch betrieben werde. Derselbe war Ende 1707 noch 32 Klafter, 3 Schuh, 10 Zoll bis zum Durchschlage mit dem nächsten und äußersten Fundgrubengesenk entfernt. II.
1709 Mißglückter Silbertrieb in Ramingstein. T. 80.
1710 Den 24. Jänner wird der seit 26 Jahren in Arbeit stehende Durchschlag bei der Schlosspruggen gemacht. In Folge dessen wird vorgeschlagen, bei der Fundgrube eine Knappenstube, Erzplatz, Erzkaue, Erzwage und Stufenkotter, welche alle mit 58 fl. 1 ß 24 dl. Baukosten veranschlagt werden, zu errichten, was mit Dekret vom 13. Dezember 1710 bewilligt wird. II.
1712 Laut Bericht vom 4. März 1712 wurden mit dem obenberührten Durchschlage wirklich die Fundgrubner Erzgänge, doch zu hoch angefahren. Deselben ergaben in 5 Quartalen 60 Kübel Stuferz und 3500 Kübel Gemeinerz. II.
1713 Da die Holländer den Hüttrauch (vermuthlich sächsischen) auf dem Seewege so billig nach Venedig liefern, daß die Lungauer Hüttrauchwerke mit ihnen nicht concurriren können, so läßt die Wittwe des Villacher Faktors Georg Allesch ihre Werke in der Pällis auf.  M. 81.
1716 Dem Georg Graggaber, Kupferschmied in St. Michael, dem Blsius Troger, Krämer daselbst und dem Martin Pfeiffenberger, Hutmann beim Hüttrauchbau in der Mur, wird das neu erfundene Kupferbergwerk bei der Koglhütten in der Mur verliehen. Sie arbeiteten zu dieser Zeit dort mit 15 Knappen.  M. 81. B.
1719 aus Anlaß einer Hofkommission kommen in Ramingstein großartige Unterschleife und Betrügereien des dortigen Verwesers Martin Kern auf, der aber trotzdem bis 1730 ruhig weiter dient.  III.
1723 Herr von Koflern wird beauftragt bei dem neu erfundenen Kupferbergwerke des Grafen von Lodron im Zederhaus den Augenschein vorzunehmen.  M. 81.
1725 Georg Graggaber und Consorten verkaufen ihr Werk bei der Koglhütten an den Drahtziehmeister Josef Sünnhuber von Riedenburg bei Salzburg, und wird dieser Kauf am 25. Jänner 1725 vom Landesfürsten genehmigt.  M. 80.

(*) Quellen-Angaben lt. Wolfskron:
I – IV = Faszikel der Bergwesensregistratur B = berghauptmannschaftliche Akten
M = Akten des Pflegegerichtes St.Michael T = Akten des Pflegegrichtes Tamsweg
U.A. = Th. von Kleinmayers unparteiische Abhandlungen

 

Quelle: "Mitteilungen der Gesellschaft für
Salzburger Landeskunde, Band 24, Jahrgang 1884"
Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Rainer Wilflinger (GfSL)
Erfasst von Christina Hofmann, Tamsweg


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