Bergbaugebiet Seekar
Heutige Spuren des Bergbaues

Das ehemalige Bergbaugebiet ist von Obertauern über die Zufahrtsstraße zum Seekarhaus (1797 m) - dem ehemaligen Berghaus der „Kupfer- und Silbergewerkschaft Seekar", einem heute privat geführten Gasthaus und Beherbergungsbetrieb - erreichbar.

Die meisten Stollenanlagen sind heute verbrochen, die vorgelagerten Halden und weitgehend vegetationsbedeckten Reste einer Erzstraße zum Teil noch deutlich im Gelände erkennbar. Direkt hinter dem Seekarhaus befindet sich das verstürzte Mundloch des 1910 angeschlagenen Emil- Unterbaustollens. Der Unterbau erreichte 1912/13 eine Gesamtlänge von 450 m und fuhr zum Teil mittels Aufbrüchen den erzführenden Lagergang an. Unmittelbar neben dem Seekarhaus liegen noch die Reste eines Haldensturzes in der Größenordnung von ca. 500 m3. Die Erzführung (Pyrit, Kupferkies, Fahlerz) im Abraum ist gering.

In nordwestlicher Richtung liegt oberhalb einer kleinen Almhütte - dem alten Berghaus - der ebenfalls verbrochene Johann-Jakob-Erbstollen (1860 m), der mit dem Seekarhaus über einen Erzweg verbunden war. Ein ausgedehnter Haldenkomplex mit insgesamt ca. 2.000-4.000 m3 bedeckt den Almboden, ist aber infolge der Steilheit des Geländes teilweise abgerutscht. Erzreste enthalten Pyrit, Kupferkies und Fahlerz. Im Nahbereich der Abraumhalden befinden sich eine Scheidehalde mit fein gepochtem Erz und eine ehemaligs Erzkaue mit deutlich sortierten Erzen (Kupferkies, Fahlerz).

Die Grubenwässer sowohl aus dem Unterbau als auch aus dem Johann-Jakob-Stollen werden für die kommunale Trinkwasserversorgung gefaßt. Knapp oberhalb des Johann-Jakob-Stollens liegen der Margarethen-Stollen (ca. 1880 m), das sogen. Obere Stöllerl und ein kleiner, aber im Almgelände markanter Tagbau. Ein Großteil der zum Teil verwachsenen, reichlich Fe-Karbonat und wenig Erz enthaltenden Halden wurde durch Erosion abgetragen, die Gesamtkubatur beträgt ca. 1.000-2.000 m3. In nordwestlicher Fortsetzung der letztgenannten Baue liegt der Mittelstollen (ca. 1930 m) nahe eines Bachlaufes, der den Erzgang fast 180 m nach WNW verfolgte. Unbedeutende Haldenreste zeigen vor allem Fe-Karbonat.

Das trichterförmig eingebrochene Mundloch des noch zugänglichen Gottesgab-(Gottberat-)Stollen (1936 m) befindet sich unmittelbar neben einer Skipiste im Randbereich einer sumpfigen Verebnung; der Haldenkomplex ist infolge starker Erosion zerteilt und zerfurcht. In der unmittelbaren und näheren Umgebung zeugen mehrere, heute bis zur Unkenntlichkeit verbrochene Stollenanlagen und Tagschürfe von intensiver Bergbautätigkeit. Das vielfach bräunlich gefärbte Haldenmaterial ist teilweise weit über den Almboden verstreut und zeigt neben den typischen Karbonat-Gangarten nur wenig Erz, hauptsächlich Pyrit und Kupferkies. Große Haldenteile sind mit einer Grasnarbe bzw. Almvegetation überwachsen.

Nördlich und nordwestlich des Gottesgab-Stollens, zwischen Seekarspitze und Wurmwand liegen teils im Steilgehänge, teils im Einzugsbereich von Skipisten alte Schurf- und Tagbaue (bis ca. 2200 m), die vielfach bis zur Unkenntlichkeit verfallen und mit Vegetation überwachsen sind. Kleinere, zum Teil auch ausgedehntere Halden weisen meist taubes schiefriges Nebengestein mit Pyrit und wenig Kupferkies auf. Der Abraum ist an vielen Stellen erodiert oder verrollt. Die Kubaturen können grob geschätzt mit insgesamt 2.000-5.000m3 angenommen werden, sind jedoch nicht zusammenhängend, sondern über ein hektargroßes Areal verstreut.


Aufbereitungsanlagen

Unmittelbar westlich des Johann-Jakob-Erbstollens befand sich auf einer Verebnungsfläche ein Poch- und Waschwerk, wo man nach vorangegangener Scheidung die Cu-Ag-Erze mit mehreren Pochstempeln im Trocken- und Naßpochverfahren aufbereitete. Das Aufschlagswasser wurde aus dem nahegelegenen Bach zugeleitet. Die gesamte Anlage nebst dem Berghaus wurde 1682 von einer Lawine zerstört, die Überreste abgetragen. Heute deuten nur mehr die erwähnten kleinen Haufen gepochten Erzes und Scheidehalden sowie Mauerreste bzw. Fundamente im Almgelände auf den ehemaligen Standort hin.

Während der letzten Betriebsperiode um 1911 errichtete man unmittelbar beim Seekarhaus eine Aufbereitungs- und Wasserkraftanlage, die jedoch über den Probebetrieb nicht mehr hinauskam. Eine Verhüttung fand im ehemaligen Bergbauterrain nie statt. Die Erze dürften im 16. Jhdt. in der Schmelzhütte Herzog Ernsts bei Radstadt, gemeinsam mit Cu-Erzen von Larzenbach und Mandling, verarbeitet worden sein; 1873-1877 und im Zuge der Reaktivierung des Bergbaues 1916 löste man die Erze in der k.k. Kupferhütte Brixlegg in Tirol ein.

Im Hinblick auf die rezente Nutzung liegt das ehemalige Bergbaugebiet einesteils im Bereich ausgedehnter Almweideflächen. Darüber hinaus wurden vor allem die oberen Abschnitte von der nahezu quantitativen wintersportmäßigen Erschließung der Region Obertauern erfaßt, sodaß heute etliche Halden und Einbaue im Bereich von Aufstiegshilfen oder planierten Skipisten liegen.

Indikationen für eine Schwermetall-Kontamination des Bodens sind vom Geländebefund her kaum festzustellen. Die tw. geringe bis spärliche Vegetationsbedeckung der Halden dürfte überwiegend durch die starke Hangneigung und damit verbundene Erosionsanfälligkeit bedingt sein. Auf den noch vorhandenen Poch- und Scheidehalden wurden die feinkörnig aufbereiteten Erze unter der Einwirkung der Atmosphärilien oberflächlich stark oxidiert, und es bildeten sich Sekundärminerale wie Malachit, Azurit, Cu- und Fe-Sulfate, etc.

 

Text: Dr. Feitzinger, St.Gilgen


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