Bergbaugebiet Seekar
Betriebsorganisation
der Silber- und Kupfergewerkschaft Seekar

Nach den Statuten der Silber- und Kupfergewerkschaft Seekar aus 1871 war dieser Verein von Gewerken nach dem Berggesetz als Gewerkschaft anzusehen und wurde vom Handelsgesetz als Aktiengesellschaft betrachtet. Die Silber- und Kupfergewerkschaft Seekar, 1871 gegründet, hatte ihren Sitz zeitweise in Salzburg und Radstadt.

Die Direktion der Gewerkschaft bestand aus drei Mitgliedern, dem Direktor und zwei Obmännern, wobei der erste Obmann die Funktion eines Direktor-Stellvertreters ausübte. Sitz der Direktion war der jeweilige Wohnort des Gewerkschaftsdirektors bzw. seines Bevollmächtigten. Der Gewerkschaftsbesitz war in 128 Kuxe oder Anteile unterteilt. Die Kuxebesitzer waren im Gewerkenbuch des k. k. Revierbergamtes in Wels eingetragen.

Dem Gewerkschaftsdirektor bzw. im Falle seiner Verhinderung dem Stellvertreter bzw. Bevollmächtigten stand, mit Ausnahme des Wirkungskreises des Gewerkentages, das unbeschränkte Vertretungsrecht der Gewerkschaft zu. Der Gewerkschaftsdirektor hatte das Recht, die gewerkschaftliche Firma zu führen, hingegen die Leitung des gesamten technischen Betriebes hatte der bergbehördlich bestätigte Betriebsleiter vorzunehmen.

Darüber hinaus hatte der Gewerkschaftsdirektor das Recht und die Pflicht, Freischürfe, welche zur Sicherung des Bergbaues dienten, anzumelden, die bestehenden Freischürfe evident zu halten und für das rechtzeitige Verlängern der Schurfbewilligung zu sorgen. In diesem Zusammenhang mußte der Gewerkschaftsdirektor Rechts- und Bergwerksangelegenheiten vertreten, bei den bezüglichen Verhandlungen erscheinen und Verhandlungsprotokolle rechtskräftig zu fertigen bzw. gerichtliche Erlässe und Bescheide für die Gewerkschaft annehmen und war berechtigt, Klagen einzubringen und Prozesse anhängig zu machen.

Hingegen blieben dem Gewerkentag, der einmal im Jahr abgehalten werden mußte, die Änderung der gewerkschaftlichen Verfassung, die Bestimmung des Wirkungskreises des Gewerkschaftsdirektors, die Gewerkentagsgeschäftsordnung und die Diäten des 5

Gewerkschaftsdirektors, die Wahl des Gewerkschaftsdirektors und des technischen Betriebsleiters samt Honorarfestlegung für dieselben, alle Remunerationen für die Beamten, Aufseher, die eine Jahressumme von 400 Kronen überstiegen, die Übernahme bleibender Lasten für die Gewerkschaft, alle Neubauten und Bauumgestaltungen, welche einzeln 10.000 Kronen überschritten, die Kenntnisnahme der Berichte der Direktion über den Gesamtgang des Bergwerksbetriebes, die Einberufung eines außerordentlichen Gewerkentages und endlich die Festsetzung von Zubußen vorbehalten. Stimmberechtigt war beim Gewerkentag jeder Inhaber eines im Gewerkenbuch eingetragenen Kuxes; mehrere Mitbesitzer eines Kuxes hatten als Vertretung einen Bevollmächtigten zu wählen. Niemand konnte bei einem Gewerkentag mehr als 25 Kuxe vertreten, die der Gewerkschaft gehörigen Kuxe hatten kein Stimmrecht. Den Vorsitz beim Gewerkentag führte der Gewerkschaftsdirektor.

Die Form der Stimmgebung am Gewerkentag war grundsätzlich mündlich, soferne nicht, insbesondere bei Wahlen und Besetzungen, eine andere Vorgangsweise für die Abgaben von Stimmzetteln beschlossen wurde. Die Anzahl der zu einem Gewerkentagsbeschluß benötigten Stimmen war durch das Berggesetz geregelt.

Die Gewerkschaftsstatuten von 1871 hatten bis zum Verkauf der Silber- und Kupfergewerkschaft Seekar bzw. Übernahme des Besitzes 1910 durch die Gewerken Dr. Franz Fiegen, Staatsanwalt a. D. aus Berlin, und Dr. Otto Hecker aus Berlin ihre Gültigkeit und wurden durch neue, adaptierte Gewerkschaftsstatuten ersetzt. Seit dem Gründungsjahr 1871 bis zur Liquidierung 1934 war das Unternehmen der Silber- und Kupfergewerkschaft Seekar mit finanziellen Schwierigkeiten belastet.

Einerseits erforderte die alpine Lage des Bergbaugebietes, andererseits der lange Betriebsstillstand des Bergbaues zunächst hohe Betriebs- und Aufschlußkosten. Diese Aufwendungen mußten vielfach in Form von Zubußen eingefordert werden, die von den Gewerken zu tragen waren. 128 Kuxe verteilten sich auf 42 Gewerken. In weiterer Folge zeigten sich vielfach die Gewerken jedoch nicht bereit, entsprechende Zubußen zu leisten bzw. waren zunächst durch den Kauf von Kuxscheinen der Ansicht, in Kürze einen lukrativen Bergbaubetrieb zu besitzen.

Dadurch beschränkten sich die bergbaulichen Tätigkeiten weitgehend auf die Gewältigung alter Stollenanlagen, Errichtung von Betriebseinrichtungen, ohne jedoch notwendige großzügige Aufschlußtätigkeiten vorzunehmen. Ein 1881 unternommener Versuch, den Bergbaubesitz der Silber- und Kupfergewerkschaft zu veräußern, schlug fehl. Erst 1905 trat Marcus Gould aus London mit Kaufangeboten auf den Plan und erwarb, wie sich letztlich zeigte, aus Spekulationsgründen den gesamten Bergbaubesitz um 8000 Kronen.

Nachdem unzulängliche bergbauliche Versuche unternommen wurden, gelangte der gesamte Bergbaubesitz 1910 um 20.000 Kronen an die Gewerken Dr. Franz Fiegen, Staatsanwalt a. D. aus Berlin, und Dr. Otto Hecker, die in zunächst großzügiger Weise das Unterbauprojekt des Emil-Unterbaustollens realisierten, jedoch letztlich mangels entsprechender Erwartungen und wegen Kapitalmangels gezwungen waren 1923 sämtliche bergbaulichen Tätigkeiten einzustellen.


Gewerkschaftsdirektion, Betriebsleiter, Bevollmächtigte

Silber- und Kupfergewerkschaft Seekar 1871:

Gewerkschaftsdirektor: Dr. Josef Khuen; 
1. Obmann: Franz Gugenbichler; 
2. Obmann: Johann Wallner; 
Kassier: Karl Donbranovsky; 
Betriebsleiter und Bevollmächtigter: Konrad Müller

Silber- und Kupfergewerkschaft Seekar 1879:

Gewerkschaftsdirektor: Karl Steiner; 
1. Obmann: Franz Gessele; 
2. Obmann: Mathias Gschnitzer, August Neuhauser; 
Betriebsleiter und Bevollmächtigter: Johann Griessenböck

Silber- und Kupfergewerkschaft Seekar 1902:

Gewerkschaftsdirektor: Therese Steiner, 
1. Obmann: Johann Griessenböck; 
2. Obmann: Josef Kaswurm; 
Betriebsleiter und Bevollmächtigter: Johann Griessenböck

Silber- und Kupfergewerkschaft Seekar 1907:

Gewerkschaftsdirektor: Marcus Gould; 
Mitgewerken: Louis Oppenheim, Simon Symons; 
Betriebsleiter und Bevollmächtigter: Albert Häusing, Ing. Viktor Fürnkranz

Silber- und Kupfergewerkschaft Seekar 1910:

Gewerkschaftsdirektor: Dr. Otto Hecker; 
Direktionsmitglieder: Alfred Wöhler, Dr. Moritz Wolf, Clemens Oppenheim, Dr. Franz Fiegen; 
Betriebsleiter und Bevollmächtigter: Ing. Viktor Fürnkranz

Silber- und Kupfergewerkschaft Seekar 1914:

Gewerkschaftsdirektor: Dr. Franz Fiegen; 
Direktionsmitglieder: Alfred Wöhler, Dr. Moritz Wolff, Clemens Oppenheim, Dr. Otto Hecker, 
Betriebsleiter und Bevollmächtigter: Johann Pirchl

 

[ Historische Fotos ] [ Historische Dokumente ]

 

Aus dem Buch "Bergbau Seekar und die touristische Entwicklung Seekar-Obertauern"
Mit freundlicher Genehmigung von Fam. Krings, Seekarhaus Obertauern


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