Bergbaugebiet Seekar
Liquidierung
der Silber- und Kupfergewerkschaft Seekar

Mit Kriegsende im November 1918 wurden sämtliche Abbautätigkeiten im Bergbau eingestellt, jedoch mittels zwei Arbeitern das Grubengebäude bauhaft gehalten. 

1923 wurde der Bergbau, der überwiegend von deutschen Gewerken betrieben wurde, infolge des Todes mehrerer Mitgewerken, aber hauptsächlich wegen des Sturzes der Deutschen Mark, noch im selben Jahr aufgegeben. Bald darauf tauchte der Plan auf, das für ca. 30 Mann errichtete Berghaus in ein Wintersporthotel bzw. Alpengasthaus umzubauen.

Am 25. Mai 1923 wurde ein Gewerkentag nach Salzburg einberufen, der statutenwidrig zustande kam und die Aufnahme eines Kredites von 600 Millionen Kronen bei der Salzburger Handels- und Gewerbebank reg.Gen.m.b.H. und die Einhebung einer Zubuße für den Zinsendienst des aufgenommenen Kredites von 2 Millionen Kronen pro Kuxe vorsah. Trotzdem das Revierbergamt in Wels diese Beschlüsse als statuten-und gesetzeswidrig nicht genehmigte, wurden die Kredite aufgenommen und nach erfolgter Bauverhandlung am 25. September 1923 mit den Umbauarbeiten begonnen.

Nachdem der Kredit aufgebraucht war, der Umbau aber zur Hälfte gediehen war, weitere Zubußen nicht geleistet wurden und infolge dessen die Zinsen für den aufgenommenen Kredit nicht rückgezahlt werden konnten, klagten zwei Gläubiger, Baumeister Karl Stabel in Stainach-Irdning und die Salzburger Handels- und Gewerbebank reg.Gen.m.b.H. die Silber- und Kupfergewerkschaft Seekar, die zuletzt statutenwidrig durch den Gewerken Clemens Oppenheim, Lederhändler in Amsterdam, vertreten war, auf die Zahlung von 150 bzw. 250 Millionen Kronen.

Da die Silber- und Kupfergewerkschaft Seekar, die alle Bauten auf Fremdgrund der Besitzer der Hundsfeldalpe (Anna und Barbara Anichhofer vulgo Hausstattgut in Löbenau bei Radstadt, Johann und Anna Mayrhofer vulgo Kasparbauer aus Radstadt, Augustin und Katharina Gruber vulgo Franzenbauer aus Tweng, Abraham Anichhofer aus Haus im Ennstal) errichtet hatte und daher nicht exekutierfähig war, wurde der gesamte obertägige Besitz, das Berghaus selbst, Maschinen und sonstiges Zubehör gepfändet und verkauft.

Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Bergbau selbst in einem außerordentlich schlechten Erhaltungszustand, sämtliches Grubenholz und die Geleiseanlagen waren bereits entwendet worden. Zwecks Trinkwasserversorgung für das Sporthotel bzw. Alpengasthaus Seekar wurde das Grubenwasser im Emil-Unterbaustollen aufgestaut und abgeleitet.

Die Sektion Austria des Deutschen und Österreichischen Alpenvereines erwarb mit Kaufvertrag vom 27. September 1925 von den Besitzern der Hundsfeldalpe am Tauern das Gelände des ehemaligen Berghauses um 15 Millionen Kronen bzw. 1500 Schilling. Das im Umbau übernommene Sporthotel bzw. Alpengasthaus wurde in den Folgejahren zu einem Bergsteiger- und Wintersportzentrum, genannt Seekarhaus, um- und ausgebaut.

Mit dem Ableben des letzten Gewerkschaftsdirektors, Dr. Franz Fiegen, Staatsanwalt a. D. aus Berlin, 1923, und Rücktritt des letzten Bevollmächtigten und Bergbaubetriebsleiters Kaiserlicher Rat und Bergverwalter a. D. Johann Pirchl, 1924, zeigte sich die Silber- und Kupfergewerkschaft Seekar handlungsunfähig. Ein unternommener Versuch der Einberufung eines Gewerkentages 1925 scheiterte an der Teilnahmslosigkeit der Gewerken, die durchwegs Ausländer und bereits teilweise verstorben oder vielfach unbekannten Aufenthaltes waren.

Da der Bergbau selbst seit 1924 nach den berggesetzlichen Bestimmungen weder bauhaft gehalten noch gefristet wurde, erfolgte 1933 von Amts wegen die Löschung der Grubenmaße und Auflösung der Silber- und Kupfergewerkschaft.

Mit Bescheid des Revierbergamtes Wels vom 1. September 1934 wurden die seinerzeit von der Berghauptmannschaft Hall in Tirol vom 11. Oktober 1871 der Silberund Kupfergewerkschaft Seekar verliehenen Grubenfelder Josef und Franz, die aus je vier einfachen Grubenmaßen bestanden, gelöscht und die Silber- und Kupfergewerkschaft Seekar aufgelöst.

 

[ Historische Fotos ] [ Historische Dokumente ]

 

Aus dem Buch "Bergbau Seekar und die touristische Entwicklung Seekar-Obertauern"
Mit freundlicher Genehmigung von Fam. Krings, Seekarhaus Obertauern


Eine Seite zurück

               Lungauer Erzwege             
Die Lungauer Bergbau-Geschichte online
© TAURACHSOFT

zur Startseite