Bergbaugebiet Seekar
Betriebsära unter dem Erzbistum

Erstmals wird 1515 ein Silber- und Kupferbergbau am Radstädter Tauern erwähnt. Mehrere Schmelzhütten befinden sich an der "Landtstraß auf dem Taurn". 1550 tritt als Besitzer des Bergbaues am Radstädter Tauern Herzog Ernst von Bayern auf, der das hier gewonnene Erz in der eigenen Kupferhütte in Hüttau im Fritztal gemeinsam mit Erzen aus der Gegend von Mandling und Larzenbach bei Hüttau verhütten läßt. Aus vorliegenden Raitbüchern von 1601 bis 1630 ist zu entnehmen, daß der Silberund Kupferbergbau Seekar 1576 bestanden hat und daß Erzbischof Wolf Dietrich von Salzburg 1596 den Berg- und Hüttenbetrieb Flachau, unweit Radstadt gelegen, gleichzeitig mit dem Bergbau am Radstädter Tauern dem Gewerken Maximilian Steinhauser veräußert hat.

Diese Zeit war vermutlich auch der Anfang des "Pucherbaues bei St. Jakob am Radtstädter Tauern", wie der Bergbau damals genannt wurde, da in den ersten Jahren des öfteren reiche Erzanbrüche an den Ausbissen erwähnt werden. Geringe Ausgaben, welchen keine Einnahmen gegenüberstanden, zeugen, daß es sich offensichtlich um erste Aufschlußarbeiten gehandelt hat.

 Als Besitzer werden, wie bereits zunächst erwähnt, Maximilian Steinhauser und Abraham Katzpöck genannt, nach ihnen die Gewerken Kirchberger und Steinberger und deren Erben.  

Mit dem totalen Konkurs der Gewerken Steinhauser erwarben 1614 die Gewerken Katzpöck den Bergbau, 1635 besaßen Achats Hagen und Philipp Sauerwein die gesamten Bergbauanteile. Der Bergbau auf Kupfer, Silber und Galmei scheint in dieser Epoche eine sehr günstige Betriebsperiode gehabt zu haben, denn im Zeitraum von 1603 bis 1625 wurden jährlich mindestens 4500 Kübel Stuf- und Halberz erzeugt, mit 129 Pfund je Kübel. Dabei entsprachen 4500 Kübel 5800 Zentner Stuf- und Halberz, wobei der Zentner im Durchschnitt 12 Pfund Kupfer enthielt; das gab nach vorliegenden Probenscheinen aus 1658/59 bei 5800 Zentner Stuf- und Halberz 690 Zentner Kupfer pro Jahr.

Darüber hinaus wurden 1643 auf der Faulwand Erzausbisse entdeckt und 535 Pfund Erz zur Hütte am Mühlberg bei Radstadt abgeliefert. Im Hinblick darauf, da des öfteren größere Ausbeuten erwähnt werden, dürfte sich diese Menge teilweise bedeutend erhöht haben.

Unter Erzbischof Graf Paris Lodron gelangte um 1650 der Bergbau in den Besitz des Erzbistums, jedoch wird über den schlechten Zustand des Bergbaues berichtet und deren geringe Ausbeute. Jahrzehntelang war die Grube stillgelegt bzw. wurde nur zum Schein betrieben und verfiel zusehends und war kaum mehr befahrbar. Aus diesen Gründen erhielt am 25. Oktober 1671 der Verweser von der Eisenhütte in Flachau, Sebastian Pürchner, den Auftrag, den Johann-Jakob-Erbstollen ohne Zeitversäumnis aufzuheben und fahrbar herstellen zu lassen. Eine Kommission, welche unter der Leitung des obersten Bergmeisters Johann Ludwig Jobst stand, erteilte dem Verweser den Auftrag, die im Weißpriachtal gefundenen Kupferkiesspuren weiter zu untersuchen und das Feldort des Margarethen- und Johann-Jakob-Erbstollens bis auf den "durchstreichenden Zwölfersturz" hinaus mit möglichster Eile in Tag- und Nachtschichten zu verfolgen, um so in das "sanfte Hauptgebirge" zu gelangen.

1672 förderten die Knappen bereits aus dem Margarethenstollen und Johann-Jakob-Erbstollen Erze, und in 13 Wochen, einer Raitung, wurden 108 Kübel Glaserz, 286 Kübel Stuferz und 837 Kübel Bruch- oder Halberz, meist Kupferkies, gewonnen.

1676 konnte der Verweser der Eisenhütte Flachau, Sebastian Kirchner, feststellen, daß die Silber- und Kupfererze in die Tiefe setzen und es wurde vorgeschlagen, einen neuen Zubau vom "Pucher" aus unter die "Gesenke und niedersetzenden Erzgänge" anzulegen. Wahrscheinlich wurde dieser Vorschlag aus finanziellen bzw. wirtschaftlichen Gründen nicht realisiert und 1682 der Bergbau aufgelassen und die Poch- und Waschwerke abgetragen. Unmittelbarer Anlaß dafür war eine am 23. Jänner 1682 abgegangene Schneelawine, die bis zum Pucher reichte und die Obertaganlagen verschüttete und das Berghaus und die Scheidstube zum Teil zerstörte.

Die Einstellung des Bergbaues war darauf zurückzuführen, daß, wie bereits erwähnt, die reichen Veredlungen über dem Johann-Jakob-Erbstollenhorizont abgebaut waren und die Förderung im Tiefbau zu teuer geworden war. Offensichtlich dürften bedeutende Erzanstände im Johann-Jakob-Erbstollen zurückgelassen worden sein, denn zuletzt wurden 1683 Vorschläge vorgebracht, einen neuen Unterbau voranzutreiben.

Um welche Zeit die Schmelzhütte am Mühlberg bei Radstadt eingestellt wurde, ist unbekannt, diese dürfte jedoch aber noch einige Jahre betrieben worden sein, da noch mehrere Schurfbaue, wie im Fritztal bei Hüttau, am Schwemmberg bei Radstadt, am Rettenbach bei Filzmoos bestanden haben und kleine Erzmengen lieferten, die da selbst verhüttet wurden.

1801 und 1802 wurden vom Silber- und Bleibergbau Ramingstein im Lungau aus Versuche zur Wiederaufnahme des Bergbaubetriebes unternommen, jedoch infolge der unruhigen politischen Verhältnisse wieder aufgegeben.

 

[ Historische Fotos ] [ Historische Dokumente ]

 

Aus dem Buch "Bergbau Seekar und die touristische Entwicklung Seekar-Obertauern"
Mit freundlicher Genehmigung von Fam. Krings, Seekarhaus Obertauern


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