Lungauer Bergbau-Sagen
Der Venediger im Granierkar

 

Auf der Gronia Alm stellte sich Jahr für Jahr ein auswärtiger Schatzgräber ein, der mit Wünschelrute und Bergspiegel die Gegend nach kostbaren Steinen und Erzen absuchte. Der Halter sah ihn wegen seiner schwarzen Tracht mit dem breiten Filzhut für ein Venedigermandl an und verfolgte ärgerlich, wie seine Weide unter dem Besucher litt. 

Hätte sich der "welsche Teufel" nur an die Felsen und öden Karseiten gehalten! Aber nein, mit Spitzhacke und Schaufel setzte er dem besten Almboden zu und untergrub auch noch die Steige, die das Gelände gangbar hielten! Wo immer sie zusammentrafen, setzte es daher einen Hagel von Beschimpfungen, und oft war der Halter so erbost über den Unfrieden, wie er sagte, den der Venediger auf seine Alm brachte, dass er ihn mit Steinwürfen in die Flucht trieb.

Der gab aber deswegen nicht auf. Unbekümmert machte er Feuer, klopfte Steine und machte mit seinem Pochen und Lärmen das Vieh halb unsinnig. Schließlich ließ er nicht einmal den Viehsteig in Ruhe, auf dem der Halter die Tiere zum Wassern trieb. Am hellichsten Tag erwischte er ihn, wie er mit der Krampe auf den Steig einhieb und nebenbei hatte der Kerl auch noch ein Feuerchen brennen. Das war dem Halter nun doch zu bunt. Da er kräftig und groß gewachsen war und den schmächtigen Wicht nicht zu fürchten brauchte, prügelte er ihn so windelweich durch, bis er ohnmächtig auf dem Boden lag.

Nun bekam er es aber mit der Angst zu tun und ein wenig packte ihn auch die Reue. Er lud sich den Besinnungslosen auf die Schulter und schleppte ihn zur Hütte, wo er ihn nach tagelanger Pflege wieder auf die Beine brachte. Humpelnd nahm der Schatzgräber seinen Abschied, und diesmal brauchte ihm der Halter nicht sein Wort abnehmen, dass er in Hinkunft einen weiten Bogen um seinen Almgrund mache. Dem Venediger war keineswegs nach einem Wiedersehen zumute.

Aber Jahre danach, als der Gronja-Halter von damals ein gesetzter Mann geworden war, der über die Sommermonate als Sauschneider in die Fremde ging, trat er auf so einer Fahrt ins Gau in ein ansehnliches Haus, dessen Besitzer ihm seltsam bekannt vorkam. Der aber redete ihn gleich mit seinem Namen an und es stellte sich heraus, dass der hagere feine Herr in dem dunklen Anzug eben jener Erzklauber war, den er vor Jahren mit Prügeln von der Alm vertrieben hatte.

Zuerst wich dem Lungauer alle Farbe aus dem Gesicht, aber der andere zeigte sich keineswegs nachtragend, sondern behandelte ihn auf das freundlichste. Er wurde bewirtet und dann in ein Zimmer im oberen Geschoß geführt. Dort waren auf Tischen und Truhen die schönsten Kristalle und goldhaltige Steine ausgebreitet. Nachdenklich nahm sie der Lungauer in seine Hand und bestaunte ihre Schönheit. "Davon bin ich reich geworden!", erklärte ihm sein Gastgeber. "Du aber hast dazumals als Halter auf der Gronja so manchen Stein nach deinen Kühen geworfen, der mehr wert war als die Kuh.". Dann lud er ihn ein, noch auf eine Zeit in seinem Haus zu bleiben, bevor er weiter in sein Gau als Sauschneider zog, und diesmal schieden sie als Freunde.

 


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