Montangeologischer Überblick

Die Hafnergruppe im östlichen Tauernfenster wird von Zentralgneisen (Hochalmkern), jungproterozoisch-altpaläozoischen (Storzformation) und permomesozoischen vulkanosedimentären Abfolgen (Silbereckserie, tw. Bündnerschieferformation) aufgebaut.

Die Zentralgneise weisen deutliche petrographische und geochemische Diversität von Tonaliten bis zu Leukograniten auf. Über dem Nord- und Ostteil des Gneiskernes folgt mit einer Winkeldiskordanz die Silbereckserie. Die liegenden Anteile bestehen aus mehr oder weniger grobklastischen silikatischen Sedimenten, nämlich Geröllquarziten, Graphit- und Arkosequarziten (EXNER 1982). Über den permoskythischen Quarziten liegt eine vermutlich triadische Karbonatgesteinsabfolge aus einer nur wenige dm mächtigen Rauhwacke im Liegenden und max. mehrere 100 m mächtigen Kalk- und Dolomitmarmoren. Im Hangenden der Marmore folgen jurassische Kalkglimmerschiefer mit geringmächtigen Prasinit- Einschaltungen und eine jurassisch-unterkretazische Schwarzschiefer-Graphitschiefer/-quarzit- Abfolge.

Die Hauptfaltenachsen streichen gemäß Exner SE, Querfalten mit N-S- Streichrichtung sind häufig. Jungalpidische Störungen treten als lang hinstreichende Scherzonen (z.T. Mylonite) mit nur geringen Versetzungsbeträgen in Erscheinung. Inter-, spät- und postglaziale Bergstürze sind im Hafnergebiet ebenso landschaftsprägend wie zahlreiche Moränenwälle aus der Zeit um 1850 und 1920.


Vererzung

Die Lagerstätte Rotgülden, 5,5 km westlich der Ortschaft Muhr im Zentralteil der Hafnergruppe gelegen, ist hauptsächlich an die Kalk- und Dolomitmarmore der Silbereckserie gebunden. Untergeordnet treten die Mineralisationen auch in den Kalk- und Schwarzschiefern auf. Sämtliche Schichtglieder fallen im ehemaligen Bergbauterrain nach Nordost ein. Der gleiche Vererzungstyp war auch im Gebiet Silbereck-Schurfspitze-Altenbergscharte und im oberen Pöllatal (Kärnten) Gegenstand des Bergbaues.

Die Vererzungen sind dem strukturell kontrollierten Tauerngoldgang-Typus zuzuordnen (FRIEDRICH 1934/35). Im Bergbauterain ist die Vererzung an ein mächtiges Scherzonensystem gebunden, das etwa NE-SW streicht und 45° nach SE einfällt. Gemäß den Untersuchungen von WEIDINGER & LANG (1991) schneidet die Störung 6 m unterhalb des Schmieden-Tagtors die Kalkmarmore ab und trifft dort auf eine etwa N-S-streichende, 80° E-fallende  Zerrüttungszone, an welche die Erzgänge im Bereich des Schmiedenstollens gebunden sind.

Die NE-verlaufende Störung ist für die Anlage der strukturkontrollierten Mineralisation die maßgeblichere und untertage sowohl in den Kalkschiefern als auch zwischen den hangenden Kalk- und Schwarzschiefern und den liegenden Marmoren als mächtige Scherzone entwickelt. Im gesamten Grubengebäude ist bergwärts ein Umbiegen der Fallrichtung von NE nach SE sowie bereichsweise eine deutliche Verfaltung in den inkompetenten Schiefern festzustellen, wobei das Eintauchen der B-Achsen von E nach SE pendelt. Neueste Detailerkenntnisse zur Tektonik sind HORNER (1993) zu entnehmen.


Mineralisation

Im Gegensatz zu den vornehmlich im Zentralgneis aufsetzenden Tauerngoldgängen des Gasteiner und Rauriser Tales enthält die Lagerstätte Rotgülden neben Pyrit und Arsenkies auch beträchtliche Mengen Magnetkies sowie bereichsweise auch Kupferkies. 

Weidinger & Lang unterscheiden hinsichtlich Erscheinungsbild und Lage im geologischen Verband im wesentlichen vier Vererzungstypen:

Der Erzausbiß in den Kalkmarmoren beim Schmieden-Tagtor ist durch max. 5-6 cm dicke Gängchen und max. 1,5 m große Nester von derbem Arsenkies gekennzeichnet, der von sehr grobspätigem Calcit bzw. Dolomit als Gangart begleitet wird. Eine weitgehend monomineralische Arsenkies-„Durchtränkung" der hydrothermal intensiv chloritisierten Kalk- und Schwarzschiefer ist entlang der gesamten Scherzone vom Friedrichniveau bis in die höchsten Bereiche der Großen Zeche (Abbaukaverne) verfolgbar. Die max. Mächtigkeit des großteils abgebauten Erzkörpers dürfte ca. 10 m betragen haben. Je nach Arsenkies-Gehalt sind zwei Subtypen zu differenzieren:

a) Ein massiges, 20-50 cm mächtiges Arsenkies-Band folgt der Scherzone bzw. den Schieferungsflächen.

b) Teils Pyrit-Arsenkies-Imprägnationen, teils dünne, absätzige s-konkordante Pyrit-Schnüre.

Gegen das Hangende nehmen die Arsenkies- und Pyrit-Gehalte successive ab.

Ein bis zu 5 m mächtiger Derberzstock ist ebenfalls direkt an die Hauptscherzone gebunden und wurde durch die Bergbautätigkeit etwa 45 m im Streichen aufgeschlossen. Der Erzkörper setzt sich mit 30-40° SE-Verflächen in die oberen Stockwerke des Grubengebäudes fort, wo er größtenteils abgebaut ist. Gegen die Teufe hin wurde durch Explorationsbohrungen ein Anhalten der Mineralisation auf mindestens 30 m nachgewiesen. Haupterze sind bei diesem Typ Magnetkies (ca. 40 %), Arsenkies (ca. 25 %), Pyrit (ca. 20 %) und Kupferkies (ca. 10 %).

In den Dolomitmarmoren des Friedrichstollens tritt eine imprägnative Vererzung auf, die mit Pyrit- und Kupferkiesputzen (wenige mm bis max. 2 cm ) etwa bei Stollenmeter 160 beginnt. Auch Hohlräume mit cm-großen Erzkonkretionen, Calcit- und Quarzkristallen sind stellenweise zu beobachten. Die Erzführung nimmt in Richtung zur mineralisierten Scherzone kontinuierlich zu; es treten hauptsächlich mit Pyrit und Kupferkies vererzte Klüfte auf. Noch näher am massigen Sulfiderzkörper folgen schließlich einige dm große, durch metasomatische Verdrängung gebildete Erzlinsen im Marmor; begleitet von kavernösem, grobspätigem Calcit.

Gediegenes Gold ist in der Lagerstätte sehr ungleichmäßig verteilt und tritt sowohl in Form von Einschlüssen als auch rißfüllend in Arsenkies und Magnetkies auf, daneben auch in der Gangart. Goldeinschlüsse in Magnetkies erreichen mitunter einige mm Korngröße. Die Kupferkies-betonten Derberze vom Typus 3 sowie die chloritisierten Partien im Hangenden der Scherzone weisen deutlich erhöhte Ag-Gehalte auf, bedingt durch diverse Ag-(Pb-)Bi-Sulfide/- Sulfosalze (Matildit, Lillianit-Gustavit, etc.) und ähnliche Phasen, die z.T. makroskopisch erkennbare derbe Aggregate oder nadelige Kristalle bis zu mehreren cm Länge in Hohlräumen von Calcit bilden.

Accessorisch, zumeist als winzige Einschlüsse in den Haupterzen, treten auf: Gediegener Wismut, Wismutglanz, Pavonit, Tetradymit, Hessit, Empressit, Pyrargyrit, Bleiglanz, Zinkblende, Löllingit, Markasit, Magnetit, Hämatit und Ilmenit.

Die Goldgehalte sind sehr unregelmäßig verteilt und schwanken zwischen 0,02 und max. 20,4 g/t.

Wie für den Tauerngoldgang-Typus generell kennzeichnend, zeigen auch die Goldgehalte in Rotgülden eine deutliche positive Korrelation mit der Ag-Pb-Bi-Paragenese.

Die Lagerstätte Rotgülden wird nach heutigem Kenntnisstand als strukturell und geochemisch kontrollierte Vererzung hydrothermal aszendenter Entstehung interpretiert. Die erzbringenden Lösungen bewirkten eine intensive Chloritisierung der schiefrigen Nebengesteine entlang der Scherzone und eine metasomatische Verdrängung der reaktionsfreudigen Marmore durch Sulfide.

 

Text Dr.Feitzinger, St.Gilgen


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