Arsenkieslagerstätte Rotgülden

Im Rotgüldental liegt eine bedeutende Arsenkieslagerstätte. Westlich der Einmündung dieses Seitentales in die Mur liegen in 1330 m Höhe die ehemaligen Werksanlagen. Der Bergbau befand sich unterhalb der Talstufe des Rotgüldensees am östlichen Bachufer in den steilen Hängen der dem Silbereck (2804 m) vorgelagerten Kuppen in 1500 m Höhe. Das Haupterz war hier Arsenkies. Das zum Bergwerk gehörende Hüttenwerk, die "Gifthütte", lag im engen Tal des Rotgüldenbaches oberhalb der Einmündung in das Murtal. Zur Reinigung von unerwünschten Beimengungen wurde das Erz im Poch- und Waschhaus zu einer schwarzgrauen körnigen Masse zerstampft und gewaschen. Dann wurde es in großen Flammöfen bei Glühhitze geröstet. Die aufsteigenden Dämpfe des Arsens schlugen sich in besonderen Fangvorrichtungen, den "Giftkammern" als Flugstaub nieder, der nach dem Erkalten gesammelt wurde. 

Dieses "Giftmehl", Hittrach oder Hütt(en)rauch, wurde dann in großen geschlossenen, eisernen Kesseln, die mit einer kleinen Giftkammer in Verbindung standen, wieder erhitzt. Das Sublimat, das sich an den Wänden der Kammer ablagerte, bildete dicke weiße, glasähnliche, durchsichtige Krusten mit muscheligem Bruch. An der Luft wurden sie nach kurzer Zeit porzellanartig. Diese Masse wurde zerschlagen oder auch gepulvert, in Fäßchen verpackt und so als weißes Arsenik in den Handel gebracht. Das Entweichen von Arsendämpfen verursachte in einem Umkreis von einer halben Stunde einen wahrnehmbaren Geruch nach Knoblauch. Das beim Rösten entstandene Schwefeldioxyd schädigte den Pflanzenwuchs der Umgebung. Die Vegetation war rötlichbraun verfärbt. Deshalb durfte später nur noch solange dei Boden eine Schneedecke trug, von Oktober bis April, die Hütte betrieben werden. 

Arsenbergbau und Hütte Rotgülden , Hüttenanlage 1880
Arsenbergbau und Hütte Rotgülden , Hüttenanlage 1880

Das in Rotgülden erzeugte Produkt kam über der Radstädter Tauern nach Salzburg und weiter nach Deutschland Über den Katschberg ging das Arsenik nach Kärnten und Venedig als Umschlagplatz für den Orient, aber auch für die Glaserzeugung in Murano - zum Reinigen des Glases während des Schmelzvorganges. 

Der Hüttrauch - das giftige Arsenik - spielte früher medizinisch eine große Rolle für Mensch und Tier. Man gab es den Saumtieren, um sie bei Kraft zu halten. Pferde wurden vor dem Verkauf damit gedopt, damit sie ein gutes Aussehen und ein glänzendes Fell erhielten. Aber auch die Fuhrleute nahmen Arsenik, um Ausdauer und Leistungssteigerung bei der Arbeit zu erzielen. Sehr kleine Dosen von Arsenik bewirken Gewichtszunahme. Bei größeren dauernden Gaben kommt es aber zu Gewichtsabnahme, Organverfettung und Gewebszerfall. 1354 lassen sich die ersten Gewerken im obersten Murtal nachweisen. 1386 nahm aber der Salzburger Erzbischof Pilgrim II. vor Puchheim die besseren Bergwerke an sich, um diese für sich ausbeuten zu lassen. 

Da er wußte, wie begehrt Hüttrauch im Orient war, ließ er einen gewissen Hans Schmidinger für die Verarbeitung der Arsenerze zu Hüttrauch eigens durch einen sächsischen Fachmann der Hüttenkunde ausbilden. Der Fürst legte größten Wert au Geheimhaltung. Am 5. August 1392 mußte Schmidinger einer Revers unterschreiben, worin er versprach, die Kunst der Hüttraucherzeugung niemanden zu lehren, sie außerhalb des Landes nicht zu betreiben und auch unter keiner anderen Herrschaft aus zuüben. Doch auf die Dauer ließ sich das Salzburger Monopol nicht halten, da kundige Berg- und Hüttenleute aus anderen Ländern in verschiedene alpenländische Betriebe geholt wurden 1562 wurde das Hüttrauchgeschäft aufgegeben, da die Nachfrage ausließ. Es wurde nach anderen Metallen gesucht. 

Erst später blühte das Arsenikgeschäft wieder. 1612 wurden 20.000 kg Hüttrauch erzeugt. Später ging das Geschäft zurück, lebte aber 1695 wieder auf. 1715 wurde Rotgülden wieder eingestellt, aber 1740 war es abermals in Betrieb und es wurden 15.700 kg Arsenik erzeugt. Bis 1842 war das Bergwerk im Besitz der Familie Robinig, Dann wurde es verkauft. Der neue Besitzer errichtete neben dem alten ein neues Hüttengebäude, und es wurde nun ganzjährig gearbeitet. 1852 waren 11 Mann beschäftigt, später stieg die Zahl bis 18 an. 1854 wurden 62.000 kg Arsenik erzeugt. Ab 1867 spürte man die Konkurrenz aus Deutschland. 1872 wurde noch 48.000 kg Arsenik gewonnen. 1884 wurde dann der Betrieb eingestellt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Betrieb nochmals kurz aufgenommen.

Rotgülden war einer der ältesten und am längsten lebenden Bergbaue des Lungaues und zuletzt die einzige Erzeugungsstätte für Arsenik in der alten österreichischen Monarchie. Die Ruinen der Aufbereitung, die Abbrandhalden und der Name "Arsenwirt" werden die Erinnerung an dieses alte Unternehmen wachhalten.

 

Text aus:  " Der Lungau" von Josef Hübl,
mit freundlicher Genehmigung
 des Otto Müller Verlags, Salzburg


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