Die Arsenikhütte Rotgülden

Die ehemalige Arsenikhütte befand sich beiderseits des (rezenten) Rotgüldenbachlaufes (1330-1335m).

Vor der Hochwasserkatastrophe im Jahre 1903 floß der Bach nördlich an den Betriebsanlagen vorbei, wie auf historischen Fotographien um 1870 deutlich zu erkennen ist. In der letzten Betriebsperiode standen hier vier Gebäude, dahinter befand sich der Pulverturm, dessen dicht mit Stauden bewachsene Fundamente noch ca. 20 m südwestlich der Straßenbrücke oberhalb eines Holzbringungsweges (ehem. Erzweg) wahrnehmbar sind.

Die bereits teilweise verfallene Arsenikhütte wurde während eines Hochwasserereignisses 1903 völlig zerstört, das Pochwerk bis zum ersten Stock total mit Murenschutt zugedeckt. Das jetzige Gasthaus wurde direkt darauf errichtet, sodaß die nun ebenerdige Gaststube dem vormals ersten Stock des Pochwerksgebäudes entspricht. 

Arsenbergbau und Hütte Rotgülden , Hüttenanlage 1880
Arsenbergbau und Hütte Rotgülden , Hüttenanlage 1880

Die zu Betriebszeiten sehr ausgedehnte, etwa 25-30 m breite und ca. 6 m mächtige Abbrandhalde wurde vom hochwasserführenden Rotgüldenbach stark erodiert. Wahrscheinlich wurde sogar ungefähr die halbe Kubatur weggerissen, und zwar vorwiegend im Südteil, wo sich der Bach sein neues Bett grub. Aus diesem Grund ist dort der Kiesabbrand mit grobblockigem Murenschutt intensiv durchmischt. Große Teile nördlich des Baches wurden mit einer max. 0,5 m dicken Sedimentauflage bedeckt, worauf sich durch Selbstanflug ein dichter Bestand an Erlen, untergeordnet auch Fichten und Birken entwickeln konnte. Nur mehr ein 50-60 m² großer, ins Bachbett vorspringender Sporn im ca. 35 m langen, 12-17 m breiten, keilförmig auslaufenden Ostteil der Halde präsentierte sich vor der Sanierung 1996/97 nicht bzw. nur spärlich vegetationsbedeckt.

Der dem Gasthaus zugewandte Westteil wurde bereits 1992 auf ca. 30 m Länge 0,5-1 m dick mit Sediment aus dem Plölitzenspeicher (oberstes Murtal) aufgeschüttet, anplaniert und begrünt. BÖCHZELT (1991) berechnete die gesamte Haldenoberfläche computergestützt mit 670 m², die Gesamtkubatur mit 4.040 m3. Wegen der hohen As-Gehalte und der leichten Erodierbarkeit der offen zutage liegenden Röstrückstände erschien eine Sanierung des Areals notwendig.

Die vor der Sanierung bachseitig erkennbare Mächtigkeit der Abbrandhalde nahm von West nach Ost zu und betrug im Mittel etwa 3 m. Das in der nordseitigen Uferböschung über dem Bachgeschiebe aufgeschlossene Profil zeigt einen Feinlagenbau im cm- bis dm-Bereich, wobei die Schichtung von West nach Ost zunehmend steiler wird. Es handelte sich um farblich z.T. deutlich abgrenzbare, intensiv rostrote und bräunlichschwarze, vorwiegend feinsandige Lagen. Die Abbrände waren im trockenen Zustand schlecht bindig und infolge der Steilheit der Uferböschung bei Hochwasser ausgesprochen erosionsanfällig.


Halden bei der alten Arsenikhütte Rotgülden, um 1925

Zur Hauptsache bestanden die Rückstände aus Fe-Oxid und -Hydroxid, was sich aus der Art der verhütteten Erze erklärt und auch durch die Analysen Böchzelts bestätigt wird. In der dunklen Grundmasse waren mm-große schwefelgelbe Nester eingelagert, vermutlich Verwitterungsprodukte nicht vollständig abgerösteter Sulfide (gediegene S, Fe-Sulfate?). Erosionsgeschützte Bereiche zeigten an der Oberfläche weißliche Ausblühungen (Sulfate und / oder Arsenate).

Etwa 20 m abstromig lagen im Bachbett oberflächlich total verrostete Eisenteile mit einer cm-dicken Kruste von vermutlich gediegenes Arsen gefunden. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um Fragmente gußeiserner Raffiniertrommeln.


Das Arsenhaus im Jahre 2006 - eine Gaststätte

Auf Höhe des Gasthauses lagen am Südufer noch einige, max. ca. 1,5 m3 große rostbraune Blöcke aus limonitisch zementiertem, etwas grobkörnigerem Material. Vermutlich handelt es sich dabei um unvollständig aufbereitete Erze. Kleinstückige bis faustgroße, oberflächlich völlig oxidierte Erzbrocken sind in der Schotterdecke des Holzbringungsweges beim ehemaligen Pulverturm zu finden. Wahrscheinlich befand sich zu Betriebszeiten hier ein Erzdepot.

Text Dr.Feitzinger, St.Gilgen


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