Altlasten des Bergbaues Rotgülden

1991 legte B. Böchzelt, Student an der Karl-Franzens-Universität in Graz, eine Diplomarbeit vor, in dem er seine Arbeiten und Erhebungen im Bereich einer Verhüttungsanlage in Rotgülden beschreibt. 

An diesem Standort wurden rund 500 Jahre lang Bergbau betrieben, wobei in der Hüttenanlage Arsentrioxid hergestellt wurde. Desweiteren beschreibt er die vorhandenen Erzablagerungen im Bereich des Friedrichstollens. Wesentlich waren aber seine Ergebnisse der Ablagerung einer Halde, die sich in der Nähe des Gasthauses „Zum Arsenwirt" befinden. Zudem wurden ausgehend vom unteren Rotgüldensee die Sedimente des Rotgüldenbaches sowie der Mur beprobt. Parallel dazu wurde auch jeweils die fließende Welle des Gewässers untersucht und auch diese einer Bestimmung des Arsengehaltes unterzogen. Insbesondere die Arsengehalte in der Halde selbst waren außergewöhnlich hoch. Spitzenwerte lagen im Bereich von 100 g/kg, auch noch an den Rändern der Ablagerung die durch den Bach teilweise stark verändert wurden, finden sich Werte bis zu 20 g/kg. Die Untersuchungen des Sedimentes, die in der Feinfraktion mit einem Korndurchmesser unter 40 µm durchgeführt wurden, zeigten immer noch extrem auffällige Arsengehalte im Bereich von mehreren g/kg in unmittelbarer Nähe der Halde, auch murabwärts konnten immer noch Konzentrationen von 1 g/kg gefunden werden. Die Ablagerung in der Nähe zum Gasthaus „Zum Arsenwirt" lagen weitgehend offen zutage, teilweise war eine geringe Überwachsung mit Wald und Gras vorhanden. 

Erste Erhebungen zeigten, dass die lokale Trinkwasserversorgung durch eine Trinkwasserleitung erfolgt, deren Quelle allerdings mehrere Kilometer weit entfernt liegt. Auch für die anderem im Tal des Rotgüldenbaches unmittelbar angrenzenden Anwesen konnte erhoben werden, dass kein Grundwasserkörper für die Trinkwasserversorgung herangezogen wird, sondern, dass dieses Trinkwasser aus Bergquellen gewonnen wird.

Diese Erkenntnisse aus der Diplomarbeit veranlaßten das Land Salzburg, im Rahmen seiner Arbeiten zur Erhebung und Erfassung von Verdachtsflächen und Altlasten, diese Fläche an das Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie zu melden. Im April 1993 wurde die Altlast vom Bundesministerium als Altlast eingetragen und in die Prioritätenklasse III eingestuft.

Die Arsenikhütte Rotgülden wurde mit Beginn im 14. Jahrhundert bis 1884 betrieben. Das heute noch auffindbare Material ist Abraummaterial des Kiesbergwerkes sowie Asche und Schlacke der Arsenikhütte selbst. Die Rückstände betrugen zuletzt ca. 4.000 m3, wobei der Rotgüldenbach im Zuge eines Hochwassers 1902 schon größere Mengen dieses Materiales abtransportiert hat und dabei sein Bachbett so verlegt hat, dass sich die Schlackenhalde nunmehr unmittelbar am Rotgüldenbach befand. Die Arsenkonzentrationen in den Rückständen, die teilweise noch völlig ohne Überdeckung zu sehen waren, reichten aus, um das Material als akut gefährdend einzustufen. Eine Gefährdung war also einerseits für die Umwelt gegeben, da nach wie vor die Möglichkeit bestand, dass das Material abgeschwemmt oder durch Staub in die umliegenden landwirtschaftlichen Flächen verfrachtet wird.


Halden bei der alten Arsenikhütte Rotgülden, um 1925

Zudem war aufgrund des in der Nähe befindlichen Gasthauses und der regen touristischen Nutzung dieses Gebietes damit zu rechnen, dass spielende Kinder das kaum von natürlichem Boden zu unterscheidende Material verschlucken und daran ernsthaft erkranken können. Als Erstmaßnahmen wurden damals sofort eine entsprechende Umzäunung und Abschrankung des unmittelbar betroffenen Bereiches angeordnet. Als gesamte noch vorhandene Ablagerungsfläche wurden ca. 670 m2 mit einer maximalen Schütthöhe von 6 m bestimmt, wobei ein Gutteil dieser Fläche durch dichten Baumbewuchs geschützt war.


Untersuchungsergebnisse

Auf der Schlackenhalde wurden 25 Probenahmepunkte festgelegt. An diesen Punkten wurden jeweils Proben aus der obersten Bodenschicht, im Grenzbereich zwischen überlagernden Sedimenten und dem Haldenmaterial, sowie in 30 cm Tiefe aus dem Haldenmaterial gezogen. Bei sämtlichen  Bodenproben wurden die Gesamtgehalte von Arsen, Selen, Eisen, Aluminium, Cadmium und Kupfer analysiert.

Die im zweiten und dritten Horizont ermittelten Arsengehalte lagen zwischen 514 mg/kg TS und 171.470 mg/kg TS. Der Mittelwert im zweiten Horizont lag bei 40.000 mg/kg TS, im dritten Horizont bei 8.000 mg/kg TS. In der obersten Bodenschicht wurden Arsengehalte zwischen 39.660 mg/kg TS und 260 mg/kg TS ermittelt.

Bei den Sediment- und Wasserproben wurden 5 Probenahmestellen flußaufwärts der Schlackenhalde, 4 Probenahmepunkte unmittelbar im Bereich der Schlackenhalde, 4 Probenahmepunkte flußabwärts im Rotgüldenbach und weitere 5 Probenahmepunkte in der Mur beprobt. Bei den Sedimentuntersuchungen des Rotgüldenbaches und der Mur wurde die Sedimentfraktion < 40 µm auf ihren Gesamtgehalt an Arsen untersucht.

Außerdem wurde der Bachlauf des Rotgüldenbaches bzw. der Mur vom unteren Rotgüldensee (oberhalb der Halde) bis St. Michael im Lungau an festgelegten Punkten beprobt. Für das Wasser des Rotgüldenbaches wurden Arsengehalte zwischen 20 und 71 µg/l ermittelt. Dabei zeigten die Proben im Bereich der Schlackenhalde Gehalte zwischen 52 und 71 µg/l. Für das Wasser der Mur konnten Arsengehalte zwischen 5 und 25 µg/l beobachtet werden.

Die Sedimentproben aus dem Rotgüldenbach oberhalb der Halde und aus der Mur wiesen Arsengehalte zwischen etwa 500 und 3000 mg/kg TS auf. Die 4 Sedimentproben im Bereich der Halde zeigten Gehalte zwischen 3.156 und 12.103 mg/kg TS, die 4 Sedimentproben unterhalb der Halde zwischen 678 und 4.603 mg/kg TS.


Weitere Maßnahmen

Es zeichnete sich rasch ab, dass aufgrund der Klassifizierung als Priorität III trotz markanter Gefährdungssituation eine Finanzierung jedweder Maßnahmen an der Altlast selbst durch den Bund oder die Förderungsstellen der Österreichischen Kommunalkredit nicht zu erwirken sein wird. Da aber aus fachlicher Sicht der Abteilung Umweltschutz dieser Zustand keineswegs so belassen wurde, wurde festgelegt, Sicherungsmaßnahmen durch das Land selbst durchzuführen.

Arsenhalde nach der Sicherung (Flußufer), 1998
Arsenhalde nach der Sicherung (Flußufer), 1998

Von der Fachabteilung 6/6 Wasserwirtschaft wurde, basierend auf einer Grundlage von Dipl.-Ing. Bilek, ein dementsprechendes Projekt ausgearbeitet, das im wesentlichen die Herstellung einer gesicherten Ablagerung am früheren Standort umfaßte. Dazu wurden geringfügig Materialmengen umgelagert und so hergestellt, dass ein Abschwemmen durch den Rotgüldenbach oder ein Abrutschen jedenfalls nicht mehr stattfinden kann. Das oberste Ziel war aber, eine so dichte Abdeckung herzustellen, dass ein unmittelbarer Kontakt zum hoch arsenbelasteten Material nicht mehr stattfinden kann. Dazu wurde eine entsprechend dichte Abdeckung mit sehr feinteilreichem Sand aus dem Rotgüldenstausee (der zuvor auf seinen Arsengehalt untersucht und für unbedenklich befunden wurde) projektiert. Die uferseitige Begrenzung der Schlackenhalde wurde durch entsprechende wasserbautechnische Sicherung mit Flussbausteinen so verändert, dass nunmehr auch im Falle eines Hochwasserereignisses keinerlei Sekundärschäden mehr auftreten können. 

Arsenhalde nach der Sicherung (Flußufer), 1998
Arsenhalde nach der Sicherung (Flußufer), 1998

Im Jahre 1996 wurden die nötigen behördlichen Genehmigungen (nach dem Naturschutz- und dem Wasserrecht) erwirkt und umgehend mit der Durchführung der Sicherung begonnen. Eine abschließende mündliche Augenscheinsverhandlung ergab, dass gemäß den Bestimmungen des Wasserrechtes die damalig aufgetragenen und genehmigten Maßnahmen zur Sicherung der Arsenhalde Rotgülden erfolgreich abgeschlossen werden konnten.

Text: Dr.Feitzinger, St.Gilgen


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