Der Silberbergbau in Ramingstein

Spricht man vom Bergbau in Ramingstein, so müssen  grundsätzlich zwei Bereiche unterscheiden: den Eisenbergbau im benachbarten, zur Gemeinde gehörenden Dorf Kendlbruck und den Silberbergbau im Bereich des Dorfes Ramingstein.

Der Silberbergbau in Ramingstein nimmt in der Geschichte des Ortes einen bedeutenden Platz ein, handelt es sich dabei  um einen der wenigen größeren Bergbaue, die im Mittelalter den Alpenländern betrieben worden sind. Es bestand hier ausgedehnter Bergbau auf silberhaltigen Bleiglanz, der Jahrhunderte lang der ganzen Umgebung wirtschaftliche Bedeutung verlieh. Im Lungau erreichte nur der Gold- und Silberbergbau in Schellgaden ähnliche Bedeutung. Die ältesten Urkunden, die von dem Ramingsteiner Silberbergbau sprechen, datieren aus dem Jahre 1443. Damals genehmigte Erzbischof Friedrich IV. den Brüdern Sigmund und Christoph Moßhaimer und dem Eberhard Wendelstein Erzbrüche im Tale Ramingstein. Gleich zu Beginn der Abbautätigkeit war ein rascher Aufschwung zu verzeichnen. Es setzte ein großer Zustrom von Knappen ein, so dass bereits 1446 eine Regelung der rechtlichen und sozialen Verhältnisse der jungen Bergbaugemeinde erforderlich war. Wenige Jahre später, 1459, wurde eine ausführliche Bergordnung verfasst und von Erzbischof Sigmund l. bestätigt. In diesem als Ramingsteiner Bergordnung bekannten Freiheitsbrief wurde den Bergleuten unter andere eine eigene Gerichtsbarkeit gegeben und ein Wochenmarkt verliehen.

Im Laufe der Zeit wechselte der Bergbau oftmals seine Besitzer, doch waren es immer die Interessen der Salzburger Erzbischöfe, die das Gedeihen beeinflussten, sei es, dass "bergrechtliche Schutzmaßnahmen und Kontrollen vor den ärgsten Übergriff« schützten oder aber auch "übermäßige Steuerforderungen den Betrieb fast zum Erlieg« brachten. 

Seine besten Ergebnisse brachte der Ramingsteiner Silberbergbau in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. So wurde 1556 insgesamt 344 kg Silber erzeugt und 1597 mit 628 kg ein Spitzenwert erreicht. Bei einer durchschnittlichen Gewinnung von 60 kg pro Jahr wurden bei einer ca. 350-jährigen Betriebsdauer insgesamt 21.000 kg Feinsilber gewonnen.

Der Großteil wurde damals in der landesfürstlichen Hütte geschmolzen, doch bemühte man sich, auch private Unternehmer durch die Befreiung von der Fron zu gewinnen. So beteiligte sich 1575 eine Gruppe italienischer Gewerken aus Gemona, Venedig und Bologna am Ramingsteiner Bergbau, neben ihnen auch die „Crainischen Gewerken".

Am Ende des 16. Jahrhunderts zeichnete sich ein erster Verfall ab, hervorgerufen durch ein Nachlassen der Erzführung, vermutlich auf Grund ungenügender Aufschlüsse, aber auch durch Schwierigkeiten in der Wasserhaltung. Es folgten weitere Rückschläge, bedingt durch eine rasche Entwertung des Edelmetalles, primitive Arbeitsmethoden (Feuersetzen) und unzulängliche Betriebsführung.

Nach einer Zeit der Misswirtschaft und Ausbeutung durch private Unternehmer, denen er seine Anteile 1603 unentgeltlich überlassen hatte, kaufte der Landesfürst 1615 die Ramingsteiner Gruben wieder zurück. 1703 wurde damit begonnen, den Arbeiterstand zu verringern. Dieser betrug damals 154 Mann. 1707 wird auf andauerndes Drängen von Fachleuten erstmals Schießpulver zum Streckenvortrieb verwendet. Als 1749 der landesfürstliche Kommissär Carl von Schnedizeni sich des Bergbaues annimmt und sowohl Verbesserungen in der Aufbereitung der Erze durchsetzt als auch verschiedene Unzulänglichkeiten abstellt, kann der Bestand des Werkes auf weitere dreißig Jahre gesichert werden. Im Jahre 1780 wurde die Einstellung des uralten Ramingsteiner Bergbaues beschlossen und am 12. August desselben Jahres meldet der damit betraute Oberrevisor, dass alle Arbeiter mit Ausnahme von 15 Mann in ziemlicher Ruhe entlassen worden seien. 

Bis zum Jahre 1782 wurden Schellgadener goldhaltige Schliche bei Zusatz schmelzwürdiger Silberschlacken in der Ramingsteiner Schmelzhütte geschmolzen. Am 7. August 1782 wurde in Ramingstein das letzte in landesfürstlicher Regie erzeugte göldische Silber abgeliefert. Das Silberbergwerk ging 1791 an den Gewerken Gottfried Poschinger über, der es bis zum Jahr 1808 betrieb, in diesem Jahr in der Schmelzhütte den letzten Silberblick erzeugte und dann an die bayrische Regierung verkaufte. Diese führte den Betrieb kurze Zeit weiter. Die markscheiderische Aufnahme eines Reviers im Jahre 1813 gilt als letzte bergmännische Tätigkeit in Ramingstein.

Mit freundlicher Genehmigung der Gemeinde Ramingstein


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