Die Ramingsteiner Gewerke


Privatgewerkentum zwischen Mittelalter und Neuzeit:

Ein organisierter Bergbau ist ab 1443 nachweisbar, als Erzbischof Friedrich IV. den Gewerken Sigmund und Christoph Moßhaimer sowie Eberhard Wendelstein Erzanbrüche beiderseits des Murtales verliehen hatte. Schließlich folgte ein rascher Aufschwung des Bergbaues verbunden mit einer Zuwanderung zahlreicher Knappen. Auf Drängen der Gewerken wurde 1459 eine eigene Bergordnung erlassen und beinhaltete die Regelung der rechtlichen und sozialen Verhältnisse der Knappen.

1556 hatte der Silber- und Bleibergbau ein ansehnliches Ausmaß erreicht und gliederte sich in die Bergbaureviere Altenberg, Kräofen, Dürnrein und Haderbau. Pro Jahr wurden ca 300 bis 350 Kilogramm Silber in den Erzaufbereitungsanlagen- und in der Schmelzhhütte in Ramingstein erzeugt.

Der wirtschaftliche Aufschwung des Montanunternehmens führte 1575 zur Beteiligung krainischer und italienischer Gewerken aus Gemona, Venedig und Bologna. Das Auffinden hochwertiger Silbererze führte gegen Ende des 16. Jahrhunderts zu einer Spitzenproduktion an Silber von ca. 600 Kilogramm pro Jahr.

Ab 1600 führten Schwierigkeiten in der Wasserhaltung, der Entwertung des Silbers durch die Entdeckung reicher Vorkommen in der Neuen Welt, weiters veraltete Vortriebs-, Abbau- und Fördermethoden und letztlich das Nachlassen der Erzführung zu hohen Betriebsverlusten und führten neben Mißwirtschaft und Ausbeutung zum Niedergang des Montanbetriebes.


Erzbischöflicher Bergbau im 17. und 18. Jahrhundert:

1615 übernahm das Erzbistum Salzburg das Montanunternehmen und die zentrale Betriebsleitung bestand mit Sitz der Bergverwaltung auf Schloß Wintergrün.

Mit Hilfe neuer Arbeitsmethoden, wie der Verwendung des Schießpulvers beim Vortrieb, die Forcierung des Hoffnungsbaues, wurde versucht, den Montanbetrieb zu sanieren. Mit einem durchschnittlichen Arbeiterstand von 154 Mann wurden zwischen 1660 und 1719 insgesamt 68.743 Tonnen Hauwerk gefördert und daraus 3.587 Kilogramm Feinsilber erzeugt, was einer durchschnittlichen Leistung von über 60 Kilogramm Silber pro Jahr bei einem außergewöhnlich hohen Metallausbringen von über 522 Gramm Silber pro Tonne Hauwerk entsprach. Vielfach wurde feinverteiltes „Gemeinerz" gewonnen und mußte mittels Poch- und Waschverfahren in den Erzaufbereitungsanlagen aufbereitet werden und führte zu hohen Abgängen beim Aufbereitungsprozeß. 1749 wurden auf Weisung des landesfürstlichen Kommissärs Karl von Schnedizeni die Erzaufbereitungsanlagen am Mißlitzbach einer Generalsanierung unterzogen, jedoch führten die Maßnahmen nur zu einer geringen Steigerung der Produktionsverhältnisse. 1780 wurde die Einstellung des gesamten Bergbaubetriebes beschlossen, der Hüttenbetrieb noch aufrechterhalten, indem die goldhältigen Erze des Gold- und Silberbergbaues Schellgaden bei St. Michael im Lungau mit schmelzwürdigen Silberschlacken in der Schmelzhütte in Ramingstein verarbeitet wurden.


Privatgewerkentum im 18. Jahrhundert:

Der Verkauf des gesamten Montanunternehmens an den Gewerken Gottfried Poschinger 1791 führte zu keiner Wiederbelebung des Unternehmens. Als Spekulationsobjekt gelangte der Bergbau und die Werksanlagen, die Erzaufbereitungsanlagen, der Röstofen der Schmelzhütte mit zwei Schmelzöfen, einem Silbertreibherd, Probieröfen und Zimmerstuben samt dem Schloß Wintergrün an die Bayerische Regierung, jedoch ohne wesentliche Aktivitäten durchzuführen. 

1813 wurde das gesamte Montanunternehmen offiziell aufgelassen.

Ein verheerender Waldbrand, der auf den Ort Ramingstein übergriff, äscherte 1841 das Schloß Wintergrün, die Burg Finstergrün sowie fast sämtliche Werks- sowie 40 Wohn- und Ökonomiegebäude ein.

 

Text: Dr.Feitzinger, St.Gilgen


Eine Seite zurück

               Lungauer Erzwege             
Die Lungauer Bergbau-Geschichte online
© TAURACHSOFT

zur Startseite