Bergbau im Lignitztal

Das mittlere der  drei Mariapfarrer Seitentäler heißt im Volksmund einfach "die Linaz". Der Taleingang dieses Lignitztales liegt am Kraischaberg schon 1330 m hoch, und es sind im vorderen Lignitztal nur noch drei Bauerngüter anzutreffen. Das ganze übrige Tal ist nur für Almen verwendbar. Dieses Tal ist wegen seiner Höhenlage darum auch wesentlich kürzer und enger als die beiden Nachbartäler. 

Der Bergübergang Lignitzhöhe war in früheren Zeiten viel begangen, weil da keine wesentlichen Naturhindernisse entgegenstehen und weil man hier durch das Obertal dann direkt nach Schladming ins Ennstal gelangen konnte. Auch Kürsinger berichtet, daß bei seiner Erkundungswanderung in dieses Tal im Jahre 1846 sein Begleiter dann noch am selben Tage über die Lignitzhöhe nach Schladming weitergewandert ist.  Auch die Wallfahrer nach Filzmoos pflegten diesen Höhenübergang zu gehen; umgekehrt auch die Mariapfarr-Wallfahrer aus dem Ennstal.

Über diesen Höhenkamm der Niederen Tauern verlief seinerzeit auch die Staatsgrenze des Erzstiftes Salzburg gegenüber Österreich. Im Landesarchiv werden noch alte Landkarten und Pläne für die Befestigung dieser Grenze verwahrt. In Mandling war die gut ausgebaute Talsperre. Dann zog sich diese Linie hin über den Bergkamm bis zur steirischen Kalkspitze, den Znachsattel, die Lignitzhöhe und die Gollingscharte. In kriegerischen Zeiten mußten diese Obergänge besetzt werden, und so findet man auf diesen Höhen spärliche Überreste von solchen Befestigungen für die Wachtposten.

Bergbau im Lignitztal

Die Bedeutung dieses Tales geht auch daraus hervor, daß hier der Abbau von Metallen betrieben wurde. Es dürften wohl die gleichen Erze gewesen sein wie in Weißpriach und besonders an der Zinkwand. Die Erzadern haben sich hier fortgesetzt. Noch heute sind am Ostabhang des Hundsteines und im Talabschluß unterhalb der Lisnitzhöhe verfallene Stollen festzustellen. Die Erzlager der Zinkwand treten auf dieser Talseite auch zutage und wurden hier abgebaut.

Etwa eine halbe Stunde hinter den letzten Almhütten liegt gegenüber dem Hundstein der Weideplatz "Pucher". Dieser slawische Name bezeugt, daß sich hier eine Erzverarbeitungsstätte befunden haben muß. Denn der Name "puchar" oder "puchac" bedeutet Pochwerk oder Hammerwerk und "puhalo" Blaswerk, Gebläse, unser späteres Wort "Blahaus", das ist Schmelze oder genauer das Gebläse für den Schmelzofen. 

Genau dort sind auch die Stollen unter dem Hundstein noch zu sehen. Nur sind die Reste dieses slawischen Hüttenwerkes durch den großen Bergsturz vom Jahre 1768 gänzlich verschüttet worden. Weil aber die Erzbearbeitung so weit drinnen im Tal und in solcher Höhe schwierig, besonders jedoch die Holzbringung für die Befeuerung des Hochofens in dieser Region der Waldgrenze äußerst beschwerlich war, so haben bereits die Slawen einen neuen Verhüttungsplatz weiter heraußen im Tale angelegt. Und zwar ist das der Talboden der heutigen Pfarrer-Delitz-Wiese. Das im Talinneren gewonnene Erz konnte hier viel bequemer verarbeitet werden. Auch hier führte wieder der alte Name auf diese Entdeckung. 

Als Pfarrer Friedl im Jahre 1728 die Pfarre Mariapfarr übernommen hatte, da fand er aus der langen Amtszeit seines alten Vorgängers Werner sehr viel vernachlässigt und er packte unternehmenslustig an allen Orten die Erneuerung an. Ein ganz dickes Bündel Kostenvoranschläge aus jenem Jahre liegen im Diözesanarchiv Salzburg. Unter anderem heißt es auch, daß "die Albhütten in der Limiz und auch die Vüch-Hütten im Tscheliz dcagesralten pauföllig sind, daß sie neu erbaut werden müeßen". Erst später ist dann der Name Delitz daraus entstanden. Das Wort Tscheliz aber stammt unzweifelhaft vom slawischen "zelezen", was eisern heißt, wobei das z wie seh gesprochen wird, "zelezarnika" ist Eisenschmelzhütte, "zelezje" = Eisenbestandteile. Das läßt vermuten, daß man im Talinnern besonders Eisen abgebaut und hier verarbeitet hat.

Diese Schmelzhütte muß auch im Mittelalter noch in Betrieb gewesen sein, und zwar noch ein Stück weiter heraußen, ungefähr an der Stelle des Sägewerkes beim Kocher­Bauern. Der Hausname Kocher sagt das nämlich aus. Er bedeutet nichts anderes als den Betreuer der Schmelze, nämlich den "Erz-Kocher". Wir finden denselben Hausnamen in Bruckdorf wieder, wo auch in der Nähe des Hauses jenseits  des Baches die Schmelzhütte bestanden hat und ebenso in Thomatal "in der Gruben", wo ursprünglich das Bundschuher Eisen verhüttet wurde. Als diese Hütten dann stillgelegt wurden, sind die für das notwendige Gebläse vorhanden gewesenen Wasserwerke fast regelmäßig für Sägewerke und Mühlen verwendet worden. Der Name Kocher aber ist auf dem Hause geblieben. Außer der Säge hat in der Lignitz auch so eine "Gmachmühle", was wohl "Schrottmühle" oder Bauernmühle bedeutet, bestanden. Sie ist in den Urbarbüchern wiederholt angeführt.

Aus der Ort-Chronik von Mariapfarr

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