Kürsinger´s Knappenerzählungen


In seinen Reiseberichten über den Lungau schreibt der k.k. Pfleger Ignaz Ritter von Kürsinger im Jahr 1853: 


„Der Ort Kendlbruck war einst, als der Eisenbergbau im hinteren, 3 Stunden entfernten Mühlbachthale betrieben, und das Eisenerz hier verarbeitet wurde, von zahlreichen Familien der Bergarbeiter bewohnt, und gehörte zu den wohlhabenderen Orten.

Von den zahlreichen Wohnhäusern sind viele am steilen Wege hingebaut, welcher zum Muttergottes-Kirchlein am Hohl´nstein führet.

Mehrere dieser Häuser sind ganz verschwunden, kaum kennet man noch die Spur, wo sie gestanden, kaum mehr die Namen ihrer einstigen Bewohner, welche die Auflassung des Bergbaues zwang, anderswo ihren Erwerb zu suchen. 

Hoch in die Luft erheben sich die Schlotte der ehemaligen Blähauser (Hochöfen), die Hochstube hallt nicht wieder von den Schlägen des Pochers, die Kohlhütten, die Zimmerhütte und Waschhäuser stehen in Ruinen. Mit dem Auflassen des Bergbaues ist auch die Wohlhabenheit dieses Ortes gewichen.

Ich trat in eine ärmliche Hütte ein, man sagte mir, daß da noch ein alter Bergknappe wohne. Schlegel und Eisen lagen mit Staub bedeckt und Spinnengewebe umzogen, an der Stubendecke in einer Vertiefung des rauchgebräunten  Durchzugbaumes. 

An dem kleinen mit Fließpapier verklebten Fenster vorne am Tische saß ein alter Mann mit Silberhaaren: er las durch eine gewaltig vergrößernde Nasenbrille im großen Drucke den katholischen Hausfreund. 

Ich unterhielt mich mit dem ehrwürdigen Alten; er wußte noch von der besseren Zeit des Eisenbergbaues zu erzählen. 

Er versicherte mich, daß der Bergsegen im Mühlbachthale nicht gewichen sei, die Gewerken seien viel mehr Ursache daran, sie haben sich des Bergglückes unwürdig gemacht, eine emsige Nachforschung würde beweisen, daß der behauptete Verfall nicht in Wahrheit gegründet ist.

Er meinte, wo so viele Familien brotlos geworden sind, und wo die Hoffnung, er seie es innig überzeugt, keineswegs erstorben ist, seie es allerdings eines Versuches werth.


Knappen bei der Arbeit mit Schlägel und Eisen

Dem Vernehmen nach solle der gegenwärtige Besitzer Fürst von Schwarzenberg daran sein, diesen Versuch zu machen, als ich dem Alten dieses mittheilte, glänzten ihm Freudenthränen im Auge!“

Mit freundlicher Genehmigung der Gemeinde Ramingstein


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