Die Hochofenanlage Kendlbruck

Das Alter des Bergbaues im Kendlbrucker Graben ist ungewiss. Streitigkeiten zwischen den dortigen Gewerken und dem Salzburger Erzbischof bezüglich der Abgaben sind bereits im Jahr 1521 schriftlich belegt.

Von den drei erhalten Floßöfen in Österreich (Schmelz bei Judenburg, Fuchsfloßofen bei Hüttenberg und Kendlbruck) dürfte letztgenannter der älteste sein, den 1754 ging das seit einem Jahrzehnt ruhende Schmelzwerk Kendlbruck in landesfürstlichen Besitz über und wurde bald darauf neu  erbaut.

Die Schmelzanlage besteht aus einem Flossofen und zwei Feuern in einer Esse. Der 20 Meter hohe Flossofen setzt sich aus dem Ofenstock und der ca. 7 m hohen Rauchhaube zusammen, die hier eher als Kamin (mit Öffnung für die Beschickung) zu bezeichnen ist. Im Ofenstock, welcher an der straßenseitigen Außenmauer des Hüttengebäudes steht, sind das Form- und Abstichgewölbe ausgespart.

Neben dem Flossofen erhebt sich eine ca. 19 m hohe, kaminartige Esse mit zwei Gewölben, die mit Sicherheit ein Frischfeuer (für die Stahlerzeugung aus Roheisen) und ein Ausheizfeuer (für die Raffinierung des Frischherdstahls) enthalten haben.


Das Kendlbrucker Eisenwerk wurde lange Zeit von Privatgewerken betrieben. Im Jahr 1754 ging es dann in den Besitz des Landesfürsten über und wurde in der Folge neu erbaut. 1768 konnte man die Arbeit im Werk wieder aufnehmen. Aufgrund des ständigen Erzmangels blieb der technische Standard in der Kendlbrucker Hütte jedoch stets bescheiden.

1815 von der „Lungauer Eisengewerkschaft“ übernommen, ging das Werk 1838 in das Eigentum des Schwarzenbergischen Oberverwesers Alois Obersteiner und dessen Schwester über. In der Folge erwarb Johann Adolf II. Fürst zu Schwarzenberg die Kendlbrucker Hütte mitsamt den dazugehörigen Holzbezugsrechten in staatliche Forsten.


Renovierte Schmelzanlage
 im Kendlbrucker Graben
 

Die Roheisengewinnung in Kendlbruck wurde jedoch schon 1830 eingestellt. Die Erze aus dem hinteren Mühlbachgraben brachte man dann über den Steinbachsattel nach Turrach, wo sie noch bis 1909 verhüttet wurden.

Nach dem allmählichen Verfall der Gebäude wurden Flossofen und Esse 1972 baulich instandgesetzt. Die Schmelzanlage Kendlbruck zählt zu den wertvollsten Denkmälern des alpenländischen Eisenwesens.

 

Grundriss der Anlage

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Grundriss

1. Ofen
2. Windgewölbe
3. Ablassgewölbe
4. Vorhütte oder Gußhaus
5. Wasserbehältnis mit Windregulator
6. Wasserrad
7. Zeugkasten
8. Frischherde
9. Von der alten Hammerschmiede noch übriggebliebener Platz

 

Im Hintergrund sieht man die Schlote des Floßofens. Im Vordergrund steht die Schottmühle.

Diese Aufnahme entstand um 1930. 

Mit freundlicher Genehmigung der Gemeinde Ramingstein


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