Ein Zeitzeuge: Maximilian Huber

Im 16. Jh. war der Bergbau allgemein im Abklingen, aber für Salzburger Erzbischöfe Leonhard von Keutschach (1495-151 Matthäus Lang (1519-1540), für den zum Erzbischof konfirmirten Herzog Ernst von Bayern (1540- 1554) und am Ende des Jahrhunderts für Erzbischof Wolf Dietrich (1587-1612) noch wichtig. Nicht nur daß Gewerkenfamilien nach dem Edelmetall suchten, auch der Vizedom in Friesach, Thannhauser, und der Erzbischof selbst hielten Gruben im Eigenbesitz. 

Durch das Bergregal mußten alle Gewerken "fronen", das heißt, sie mußten den 10. Teil des Erzgewinnes an den Erzbischof kostenlos abliefern. Der Vizedom allerdings erhielt für das abgelieferte Silber einen entsprechenden Entschädigungsbetrag. Ablieferungsort war meist Ramingstein, wo der erzbischöfliche Fronschmelzer saß. In der Zeit von Herzog Ernst (1540-1554), der selbst als Bergbauspezialist bezeichnet wurde war ein gewisser Maximilian Huber Fronschmelzer. Das Bergrichteramt hatte um diese Zeit Wilhelm von Moosheim, der Pfleger Ramingstein, inne. Daneben gab es noch das Amt des Froner.

Huber verdanken wir viel Wissen um die damalige Zeit, da ein großer Teil der Korrespondenz zwischen ihm und Herzog Ernst erhalten blieben und in einer Bibliothek in München lagern. Einen Teil dieser Berichte kann man aber auch in Jahresband 1967 der "Gesellschaft für Salzburger Landeskunde" nachlesen. 

Neben Ramingstein als Mittelpunkt des Fronamtes gab es noch ein Fronamt Lungau, das man in Schellgaden vermutet. Es ist aber nie präzise angegeben. Aber die Schlüsselstellung fiel in dieser Zeit dem Fronschmelzer Maximilian Huber zu. Er hatte das volle Vertrauen des Herzog Ernst. Hubers Vater war schon im Bergbau tätig. Huber beherrschte die Schriftsprache besser als die meisten im Bergbau beschäftigten Beamten. Er war mit der streng geheimgehaltenen Vermessungskunde vertraut. Er mußte viel und anstrengende Inspektionsreisen unternehmen. Es muß in dieser Zeit zwischen Bergrichter Grimming, dem Froner Ofner und Huber ein harmonisches Verhältnis geherrscht haben, da in diese Zeit kein Beamtenwechsel stattfand. In Gastein und in Rauris war das nicht selbstverständlich. Wenn die Fronverweser und Bergrichter ihre Ämter etwas selbstherrlich ausübten, konnte es zu Schwierigkeiten mit den anderen Beamten kommen. 

Huber hatte mehrere Betätigungsbereiche: Er war Probierer, Silberbrenner Schmelzer, Schiner (Markscheider), Schreiber und Einfahrer (Bergbauinspektor). Er war beschlagen in Dingen, die sowohl der Grubenbau betrafen als auch in der Verhüttung. Als Schiner oder Markscheider vermaß er die Grubenbaue, ermittelte die Grenzen und setzte Eisen (Markpflöcke). Er zeichnete auch Grubenkarten. Als Einfahrer beschäftigte ihn die Sicherheit eines Betriebes. Er achtete, daß die Stollen und Schächte mit Joch und Stempel ordentlich gezimmert waren und daß in den Gruben eine ausreichende Ventilation vorhanden war. Widrigenfalls mußte er eine "Wett fahrt machen", d.h. Luft entweder durch Erweiterung der Gang oder der Zufahrt eines Stollens oder durch Röhren - oft durch mechanische Mittel (Windräder, Blasbälge) - zuführen lassen, nach der besonderen Lage eines Bergwerkes beriet er mit dem Hutmann, wo und wie ein Schacht abgeteuft oder ein Stollen angesetzt werden sollte, um die besten Resultate zu erzielen. 

Wenn es notwendig war, gab er Anordnungen, wie und wann Wasser auszupumpen sei. Erzstücke von neuaufgeschlagenen Erzgängen probierte er auf ihren Metallgehalt. Er gab auch Gutachten über die Rentabilität eines Bergwerkes ab. Als Silberbrenner und Schmelzer überwachte und versah er den vollständigen Verarbeitungsverlauf des abgelieferten Erzes bis zur Herstellung von Rohbarren. Als Schreiber mußte er die Berichte an den Herzog verfassen, weiters die Probezettel und die Erzlieferungsaufzeichnungen führen. 

In der Mur wurde Waschgold gefunden. Zweimal im Jahr - am St.-Veits-Tag (15. Juni) oder nach Pfingsten und am Martinstag (11. November) wurde das Waschgold "ausgewechselt", d. h. dem Wechsler zu einem festgesetzten Kurs gegen Barzahlung abgeliefert. Das Gold wurde in Blättchen oder Körnchen gefunden. In den Rechnungen erscheinen insgesamt 21 Goldwäscher. Es soll auch vorgekommen sein, daß die Goldwäscher ihr Waschgold nicht dem Erzbischof, sondern an andere Stellen mit mehr Gewinn verkauften. Ein entsprechendes Edikt des Erzbischofs weist daraufhin.

Als Bergbauinspektor legte Huber weite Strecken zurück. Die hochgelegenen Grubenbaue erforderten anstrengendes Bergsteigen. Er mußte auch Bergbaue in Werfen oder Hüttau besichtigen. Zwischendurch reiste er mehrmals nach Salzburg. Größere Strecken legte er sicherlich zu Pferd zurück. Auch die Kupfer-und Vitriolproduktion des Erzbischofs, in Großarl, war zu beaufsichtigen. Die Bergwerke im Murwinkel, die Silberbergwerke im Schladminger Bezirk an den oberen Giglach-Seen und das Bleibergwerk in Raibl (Tarvis) beschäftigten ihn am meisten. 

Huber war auch für die Löhne der Bergknappen zuständig. Die am Stollen gruben, bekamen damals 5 Gulden und 4 Schillinge für die ersten zwei Klafter, für die nächsten zwei Klafter schon 6 Gulden. Jene, die im Schacht arbeiteten, verlangten 20 Gulden. Huber wollte aber nur 13 bezahlen. Einig sind sie mit 17 Gulden geworden. Arbeitskämpfe in alter Zeit! Die Knappen mußten jedoch für Holz, Talg und Werkzeug selbst aufkommen. Die Häuer am Stollen, die 6 Gulden bekamen, mußten sich selbst versorgen. Die Bergleute wurden eingeteilt in Arbeiter, Knappen, Häuer, Sackzieher, Säumer, Pocher, Schmelzer, Holzhauer und Knechte. Ein Hutmann war der Vorarbeiter eines Baues. Die Versorgung der Bergarbeiter mit Lebensmitteln wurde durch den sogenannten "Pfennwerthandel" organisiert. Durch Großeinkauf wurden die Waren verbilligt vom Detailhandel an die Bergarbeiter weitergegeben. Die Korrespondenz mit Nürnberger, Augsburger, Münchner, Passauer und anderen Kaufleuten belegen das. Butter- und Schweineschmalz wurde aus dem Lungau gekauft. Die Bauern mußten das Schmalz dem Fronschmelzer abgeben, der Ramingsteiner Betrieb benötigte z. B. 32 Zentner. Die Bauern hielten auch hier manchmal ihre Ware zurück, und der Pflegschaftsverwalter berichtete, daß die Bauern sofort Schmalz liefern würden, wenn sie statt 3 kr pro Pfund 4 kr bekämen. Der größte Teil des Talges kam aus Passau.

 

Text aus:  " Der Lungau" von Josef Hübl,
mit freundlicher Genehmigung
 des Otto Müller Verlags, Salzburg


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