Ein Zeitzeugen-Bericht von 1786
Niklas Graf von Galler


Im Jahre 1786 hat ein junger Adeliger, Niklas Graf von Galler, der als „Edelknabe" in der sogenannten „Pagerie", dem rechten Flügel des um die Dreifaltigkeitskirche in Salzburg herumgelegten Priesterhaus Palais, gewohnt und dort für den Salzburger Hof dienst und für den hohen Verwaltungsdienst herangebildet wurde, für die Beamtenprüfung eine umfangreiche „Hausarbeit" beibringen müssen. Er kam zu diesem Zwecke in den Lungau herein und hat sich den Sommer über im Schloß Moosham aufgehalten. Es muß aber auch ein Lehrer oder höherer Beamter mitgewesen sein, weil ihm schon gewisse KontrollFunktionen aufgetragen waren. 

Die Arbeit ist dann mit Hilfe dieses Begleiters und der Beamten von Moosham zustandegekommen und trägt den Titel „Bemerkungen über die physische und politische Beschaffenheit des Pfleggerichtes Moßham im Lungau". Sie liegt jetzt im Staatsarchiv in Wien und dort habe ich sie aufgestöbert; sie wurde noch nie veröffentlicht, enthält aber viele Aufschlüsse über die damaligen Verhältnisse im Lungau. 

Das Ganze ist eine rein sachliche Darlegung nach Art eines Rechnungshof-Berichtes. Betreffend der Bergbauprodukte hier ein paar Auszüge aus dem vorgenannten Bericht:

Gold:

„Die Goldgruben sind im Gangthal ober Schellgaden. Die Erze werden allda durch Schießen erbrochen, bei der Bergstuben geschaidet und im Winter in Socken auf dem Schnee nach Schellgaden geschlaipft; hier werden sie gepocht, gewaschen und der Schlitt durch die Amalgamation zu Gold gemacht. Der übrige Schlicht oder der Auswurf von der Quickmühle wird in der Schmelzhütte geschmolzen, der Lech hievon abgezogen und durch die vulgo Bornische Amalgamations-Methode wieder zu güldigem Silber gemacht. 

Seit ein paar Jahren solle dieses Bergwerk ergiebiger sein. Dabey sind angestellt: 

1 Verwalter Namens Johann Klammer, zu Altenmarkt im Flachauthal gebürtig, 39 Jahre alt, ledig, stehet bey 18 Jahre in Hochfürstlichen Diensten und hat 254 Gulden Fixum, 16 Gulden Holz und Lichtgeld und 2 Gulden BergschuheGeld. Sein seeliger Vater Johann Klammer war Bauer am Pichlgut in der Flachau. 

1 Berghutmann (im Baadischen Steiger genannt); 4 Geding und 32 Lehen-Hauer-Knappen, 25 Herren-Arbeiter, 1 Wascher Hutmann, 1 Kastenknecht, 1 Kohlenzimmerer, 1 Zeugschmied, 1 Kohlenmaister, 2 Kohl oder Holzknechte. Im Sommer werden überdies 7 Wäscherinnen aufgenommen. Auch sind die Kohl und anderen Fuhren nicht inbegriffen. Die Anzahl des bey diesem Bergwerke angestellten Personals mit Weglassung der 7 Wäscherinnen beträgt 70 Seelen. Diese stehen sämtlich unter der Aufsicht des Verwalters, der auch die Speis und Zeughandels Verwaltung in Schellgaden unter sich hat. 


Silber:

Die Berge, wo in der Gegend von Ramingstein auf Silber gebaut wurde, heißen der Altenberg, der Thirnrain und das Weiswandl; dieses ist nun wegen Armuth des Ertz, und da er mehrere nach einander folgende Jahre die Unkosten nicht abwarf, schon anno 1782 eingestellet worden. Im Jahre 1770 schon zeigten die eigens dazu ernannten Commissarii, daß sich bey diesem Bergwerke in den letzten Jahren ein Verlust von 156 Gulden ergeben hat. Der Speis oder Pfannswarts Verwalter bewohnt das Schloß Ramingstein. Ihm untersteht die Aufsicht und Rechnungsführung über den Vorrath an Getraid, Schmalz, Speck und Unschlitt, welcher für das zu den Eisenbergwerken gehörige Personal bestimmt ist. 


Eisen:

Es wird an zwei verschiedenen Orten erbeutet: erstens im Bundschuche, welches zu dem allda befindlichen Blaa hause gebracht, alldort gewässert und geschmolzen wird. Die Flossen oder das Roheisen werden zur weiteren Verarbeitung auf den Hammer nach St. Andree gebracht. Dann ist eine Grube bey Hinter alben im Mühlbach Winkl, welches zu dem Blaahaus nach Kendlbrug gebracht und auch bey dem Hammer zu St. Andree verarbeitet wird. Die beiden Blaahäuser werden nur alle 3 Jahre und allzeit wechselweise betrieben: Jenes im Bundschuch etlich und zwanzig bis 30 Wochen, und dieses zu Kendlbrug gewöhnlich 4 bis 6 Wochen kürzer. Das dabei angestellte Personal bestehet außer dem Blaameister, wovon für beide nur einer aufgestellt ist, in ungefähr 7 Personen. Diese wandern von dem einen Blaahaus zu dem ändern. Das 3. Jahr werden sie entweder bey einem Hammer oder sonst auf eine Art gebraucht. Due Anzahl der bey den Eisengruben angestellten Knappen beläuft sich auf 36.

Der Verwalter Namens Johann Niklas Hofbauer, zu Gastein gebürtig, 43 Jahre alt, ledigen Standes, stehet bey 23 Jahre in Hochfürstlichen Diensten, davon nun bey 9 Jahre als Eisenwerks-Verwalter im Lungau. Er logiert im Hochfürstlichen Handelshaus zu St. Andree; seine Besoldung beläuft sich auf 250 Gulden in fixo und 24 Gulden Holz und Lichtgeld. Dem Verwalter zu St. Andree stehet die Aufsicht und Direktion der Eisenbergwerke im Bundschuch und zu Hinteralben im Mühlbachwinkl, der Blaahäuser im Bundschuch und Kendlbrug wie auch der Eisenhämmer zu Kendlbrug und St. Andrä zu. 

Ein Gegenschreiber logieret ebenfalls zu St. Andree im Handelshaus. Dann ein Blaameister nebst 7 anderen Personen. Bey jedem Eisenhammer: l Hammerschmiedt, 2 Heitzer, 1 Wassergeber, 2 Strecker, 1 Kohlradler, 1 Zimmerer, zusammen 16 Personen. Summa des bey den Eisenbergwerken aufgestellten Personals 60 Personen und 36 Knappen. Auch hier sind die Fuhren nicht in Anschlag gebracht. Der Hauptverschleiß von der Handlung zu St. Andree gehet zu der Haupthandlung nach Salzburg saumweise.


Arsenik:

In der Regeln (Rotgülden) im Muhrwinkl wird auf Arsenik gebaut. Herr von Robinig in Salzburg ist Gewerke. Der Landesfürst beziehet davon den Zehenten, der aber nicht in Natura eingehoben wird, sondern von jedem 10. Kübel rohen Erz werden 7 ½ Kreuzer bezahlt. Sebastian Moser, Weinwirth zu St. Michael, ist zur Einhebung dieses Gefälls aufgestellt. Im Jahre 1785 wurden 1668 Kübel gefördert und hievon 20 Gulden Zins erhoben.


Kobalt:

Diese findet sich an der Zinkwand im Weißpriach Winkl. Die allda gewonnen Produkte werden zu der, der Reichs-Benediktinerabtei Gengenbach bey Offenburg zustehenden Kobaltfabrik geliefert. Dieses Bergwerk wird also nicht auf landesherrschaftliche Kosten, sondern von einer auswärtigen Gewerkschaft betrieben, welche dem Landesfürsten die Fron-Zehenten zu reichen verbunden ist. Allein seit 1772, allwo bey dem Lungauer Berggerichte 29 Gulden bezahlt wurden, ist diese Rubrik in den diesfälligen Rechnungen offen."

 

Dieser letzte Satz zeigt deutlich an, daß das Bergwerk an der Zinkwand seit dieser Zeit unrentabel geworden war und nicht einmal der Zehent mehr bezahlt werden konnte. Im domkapitlischen Urbarbuche ist unter dem Jahre 1761 zu lesen, daß damals bei diesem Bergwerke noch neue Bauten aufgeführt worden sind: ,,Ain in der Albm Znach neu erbauter Pucher und Knappen Stuben samt dem darzue gerichteten Weg, unterstehend der BergwerksVerwaltung Ramingstein." 

Erzbischof Siegmund von Schrattenbach hatte sich damals eine neue Blütezeit der Bergwerke einreden lassen und hat viel investiert. Aber die Zeit war längst vorbei. Das Zinkwand-Bergwerk wurde an eine auswärtige Gesellschaft verpachtet, die aber ebensowenig Erfolg hatte. Für das Jahr 1826 findet sich daher im Urbarbuche die Bemerkung: „Pucher, Knappenstuben etc. in der Znach wurden, da dieser schon lange verfallen ist und dem HüttenAmt zu keinem Gebrauch mehr dient, für immer abgeschrieben." 

Aus der Orts-Chronik von Weisspriach

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