Recht & Moral


Der Bergbauort Ramingstein sollte als Freiung laut Erlass von Erzbischof Friedrich II. von Emmerberg einem eigenen Berggericht unterstellt werden. Die Ausnahme stellten jene Händel, die das Leben berührten, dar. Trotz dieser Sonderstellung unterstand zum Beispiel das Jagd- sowie das Fischereirecht ausschließlich dem Landesfürsten. 

Dass diese Tatsache nicht immer beachtet wurde, belegt eine Eintragung im Moosheimer Archiv, die besagt, „Daß der Bergverweser zu Ramingstein dem Hrn. Pfleger zu Moßham im Fischen und Jagen einen Eingriff thue.“ Das Pfleggericht Moosham sah sich in solchen Fällen veranlasst, den Bergrichter in Ramingstein zu tadeln.

Den Bergrichtern wurde zumeist ein etwas milderer Strafvollzug nachgesagt und daher flüchteten immer wieder Kleinkriminelle nach Ramingstein, um den Strafsanktionen des Moosheimer Pflegers zu entgehen. Aus den Jahren 1459, 1502 und 1516 sind jedoch Fälle bekannt, in denen die Betroffenen wieder an das Pfleggericht ausgeliefert wurden, da der Bergrichter nur „wenn sich in Ramingstein Rumor erhebe, abstrafen solle !“ 

        


Die Blütezeit des Bergbaues brachte den Bergleuten Wohlstand, der sich auf das tägliche Leben gravierend auswirkte.

Man feierte ausgelassene Feste und Gelage bei denen es aber auch oft zu Ausschreitungen kam.

Als sich diese Vorkommnisse zu häufen begannen, sah sich die Obrigkeit gezwungen Verordnungen zu erlassen, die die Menschen wieder in die Schranken weisen sollten. 

Man setzte zum Beispiel 1568 fest, dass bei Hochzeiten, Taufen und anderen Festen nicht mehr als „2 - 3 Tisch (Speisenfolgen) zu passieren hätten“. Im Jahr 1756 wies der Landesfürst darauf hin, dass im Handelshaus (heute Gasthof Durigon) unter der Zeit die vielen Tänze abgestellt werden müssen. 

 

1548 wurde sogar eine Tanzveranstaltung am Barbaratag verboten und im Jahre 1686 das „Mascaragehen sowohl mit als auch ohne Larven verpotten“.

Auch die Moral der Leute litt stark, sodass der Erzbischof über das Moosheimer Pfleggericht einschreiten musste.

So ist zum Beispiel in den Moosheimer Berggerichtsakten von Ramingstein aus dem Jahre 1568 zu lesen: „Denen Ehemännern in Ramingstain solle das hausen mit denen ledigen Dirnern abgeschafft werden.



Dem Erlass aus dem Jahre 1610, dass „Die in Ramingstain in Schwung gehenden Fornikationen (Unzuchtshandlungen und Hurerei) abzustellen sind“, musste im Jahre 1742 erneut Nachdruck verliehen werden. Aus dem Jahre 1631 ist folgendes Urteil bekannt: „Hannß Egger Löderer zu Ramingstain wegen Ehebruch und Kötzerey solle öffentlich auf den Pranger gestellt, durch die Gerichtsdiener ausgeführt und des Landes verwiesen werden.

  

      


Die Kirche versuchte auch die Aufgeschlossenheit der Geistlichkeit für die Freuden des Lebens einzudämmen. 

So solle dem Herrn Vicario zu Ramingstain wegen aldort in Schwung gehender Leichtfertigkeit an Handen gegangen werden.

Die Bestechlichkeit landesfürstlicher Beamter sowie die Unredlichkeit manches Bergarbeiters brachten die moralischen Werte in der Arbeitswelt ebenfalls ins Wanken. Nicht zuletzt trugen auch diese Widrigkeiten zum Untergang des Ramingsteiner Bergbaues bei.

Korrupte Werksleitungen lieferten zum Beispiel jahrelang verfälschte Bilanzen an die erzbischöfliche Hofkammer.

 

 

Wurden Unregelmäßigkeiten erkannt, so ahndete man die Vergehen nicht immer mit derselben Strenge. 

Während beispielsweise der Ramingsteiner Verwalter Georg Reißl im Jahre 1597 seiner Verbrechen halber gefänglich auf die Festung Hohensalzburg geliefert wurde, hatte der Verweser Martin Kern trotz Nachweis seiner Unterschlagungen sein Amt noch über Jahre inne.



Um dem moralischen Verfall entgegenzuwirken, entsandte man im Jahre 1748 einen Mann namens Karl von Schnedlizeni nach Ramingstein. Dieser, durch seine Reisen nach Sachsen und in andere große Bergbaugebiete gebildete Herr, wurde als landesfürstlicher Kommissär eingesetzt.

Es gelang ihm herauszufinden, dass der auffällige Metallabgang nicht auf schlechte Aufbereitung und Verhüttung zurückzuführen war, sondern auf die systematischen Probenfälschungen der Bergarbeiter, die nur sehr hochwertige Proben vorlegten. Im Zuge des späteren Schmelzvorganges wurde dann offensichtlich, dass dieser hohe Silbergehalt keinesfalls auf die gesamte Liefermenge zutraf.

Die landesfürstliche Silberhütte, die den Lehenschaften der Knappen das Erz nach dem Silbergehalt in den Proben ablöste, wurde schließlich durch die hervorragenden Fachkenntnisse Schnedlizenis und durch dessen Unbestechlichkeit auf die betrügerischen Machenschaften aufmerksam. 

Karl von Schnedlizeni war es auch, der durch sein Wissen und seine Redlichkeit viel zum erneuten Aufschwung des Schellgadener Goldbergbaues beitrug.

Mit freundlicher Genehmigung der Gemeinde Ramingstein

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