Die Hexenprozesse von Ramingstein


Ein dunkles Kapitel der mittelalterlichen Geschichte stellen die Hinrichtungen und Hexenprozesse dar. Auch im Salzburger Bergbauort Ramingstein verbreiteten die gebräuchlichen Praktiken der Justiz Angst und Schrecken.

Unter der durch geringe Erzförderung, schlechte Silberproduktion, ansteigende Lebenskosten und Korruption verarmten Bergbaubevölkerung stieg die Anzahl der Bettler und Außenseiter ständig. 

Diese, zum Teil nicht sesshaften Unterschichten wurden auch aufgrund ihres Geisteszustandes oder ihrer körperlichen Gebrechen zu einer Randgruppe im Volk, die dem Gespött der anderen schonungslos preisgegeben war.

Die Scherze solcher Menschen endeten aber nicht selten schrecklich, da die Obrigkeit in viele Geschehnisse teuflische Verschwörungen gegen Kirche und Staat hineininterpretierte.

Ein Beispiel für solch einen harmlos gemeinten Spaß mit erschreckenden Folgen stellt die Ramingsteiner Bettlerhochzeit im Winter 1687/88 dar. Es fand sich damals eine Gruppe von jungen dörflichen Außenseitern zusammen, um im Haus des Vaters der Maria Trattnerin während dessen Abwesenheit eine Scherzhochzeit abzuhalten.

Die als Gastgeberin zur Spottbraut auserkorene „Praunmaidl“, eine armselige Bettlerin im Alter von 20 Jahren, wurde in einer bis ins Detail nachempfundenen feierlichen Zeremonie mit einem üppigen Festmahl und begleitet von Musik dem um einige Jahre jüngeren, im bäuerlichen Dienst stehenden Joachim Grädenegger angetraut.


     


Der Bräutigam stellte ein typisches Beispiel für ein verarmtes, ins Bettlermillieu abgerutschtes Bergmannskind dar. Als Sohn eines Knappen und einer Erzwäscherin war es ihm aufgrund des wirtschaftlichen Niederganges der Bergbaugemeinde nur mehr möglich, seinen Lebensunterhalt als Knecht sowie durch Bettelei und Kleindieberei zu bestreiten.

Unter den Festgästen (etwa ein Dutzend) befanden sich auch der kindlich aussehende, etwa 30-jährige Georg Länschützer, genannt der „Krätzenjörgl“ und als „Dorfdepp“ bekannt sowie der 17-jährige „Gaiß Paul Rüeppel“, der weder sein Alter noch seine Herkunft kannte und sich vornehmlich durch Zeichensprache verständigte.

Im darauffolgenden Jahr wurden auf höchstrichterlichen Befehl fast alle Gäste dieser Bettlerhochzeit hingerichtet, indem ihnen wegen ihrer „so abscheulichen und erschröckhlichen Missethaten der Khopf durch das Fallpeill abgeschlagen wurde, hernach der Cörper zu Staub und Aschen verprent und undter das Hochgericht (am Passeggen nächst Tamsweg) vergraben.

Joachim Grädenegger, gegen den im Juni 1688 der Prozess wegen Diebstahl und Zauberei eröffnet worden war (hatte er sich doch öffentlich damit gebrüstet, fliegen zu können), war eines der rund 200 Opfer der damaligen „Zauberer-Jackl-“ und Hexenprozesse, die sich in der Hauptsache gegen Bettler, Vagabunden sowie geistig oder körperlich Behinderte richteten. Der Gesichtskreis dieser Menschen war bekannterweise eng begrenzt, was den Inquisitoren die Arbeit erleichterte. 

Vom Mooshamer Pflegsbeamten wurde Grädenegger charakterisiert als „zwar etwas khrump, hardt hörent und rödent, aber bey guetter Vernunft.


     


Im Verlauf der Prozesse kam es immer wieder zu gegenseitigen Anschuldigungen unter den Angeklagten.

Neben Grädenegger wurden vom Höchtsgericht auch die Hochzeitsgäste Margaretha und Maria Trattnerin, Maria Steglin, Gaiß Paul Rüeppel, Susanna Promeggerin, Christian Eder, Georg Länschützer und Rosina Katschthalerin zum Tode verurteilt.

Mit freundlicher Genehmigung der Gemeinde Ramingstein


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