Die Bergordnung

Ramingstein war einst hinter den Goldbergbauen in Gastein und Rauris eines der bedeutendsten Bergbaugebiete im Herzogtum Salzburg.

Nachweislich wurde in der Zeit zwischen 1443 und 1809 geschürft. In den Revieren nördlich und südlich der Mur befinden sich Stollensysteme mit einer Ausdehnung von ca. 15 Kilometern. Ein so umfangreicher Bergbaubetrieb hatte die Beschäftigung zahlreicher erzbischöflicher Beamter zur Folge. Außerdem brauchte man, um ein geregeltes Zusammenleben und Arbeiten zu ermöglichen, eine regionale Gesetzgebung. 

Diese entstand im Jahre 1459 in Form einer Niederschrift der „Ramingsteiner Bergordnung“. Der Erlass erfolgte durch den Salzburger Erzbischof als Landesherrn im Einvernehmen mit der Berggemeinde (Gemeinschaft der Gerichtsgeschworenen) und auf ausdrücklichen Wunsch der Grubenmeister und Bergleute.


Die Urkunde kann vergrößert werden

In dem Schriftstück regelte man unter anderem die Gerichtskompetenzen und die Arbeitszeit der Bergleute. Im 15. und 16. Jahrhundert betrug diese bei den Knappen durchwegs 44 Wochenstunden. 

Da man das Tageslicht beim Anmarsch zu den Revieren oder auf dem Rückweg nutzte, dauerte die Arbeitszeit im Sommer von 6 bis 18 Uhr, im Winter verkürzte sich diese entsprechend von 8 bis 16 Uhr. Der tägliche Weg zu den Gruben und wieder zurück wurde als Arbeitszeit angerechnet.

 

In den Poch- und Waschwerken war gleitende Arbeitszeit üblich, die natürlich auch witterungsabhängig war. Das Recht auf Abhaltung eines Wochenmarktes, verschiedene Sicherheitsvorschriften betreffend die Arbeit unter Tage sowie die Feiertagsregelung waren Bestandteile der Gesetzgebung. 

Bezüglich der Feiertage hielt man fest, daß kein Bergmann oder Arbeiter am Weihnachtstag, am Ostertag, am Pfingsttag, an Unser Frauen Tag (Marienfeste), am Zwölfbotentag (Apostelfeste) oder an den Abenden zuvor einen Bau bearbeiten solle.

Vor einigen Jahren fand er Montanhistoriker HR. Dr. Walter Brunner aus Graz anlässlich eines Forschungsauftrages im staatlichen Archiv im tschechischen Krumau die lange Zeit verschollen geglaubte „Ramingsteiner Bergordnung“ 

Nachdem dies bekannt worden war, fand Alt-Bürgermeister Bogensberger in Seiner Durchlaucht Fürst Schwarzenberg den Unterstützer bei den tschechischen Behörden, um die Urkunde wieder zurückzubekommen. Ihm ist es auch zu verdanken, dass mittlerweile die wertvollen Urkunden und damit auch die Bergordnung wieder in das Schwarzenberg’ sche Archiv nach Murau zurückkamen.

In einer Faksimileausgabe liegt dieses Schriftstück nun mitsamt einer kompletten Übersetzung im Gemeindeamt in Ramingstein auf.

Mit freundlicher Genehmigung der Gemeinde Ramingstein


Eine Seite zurück

               Lungauer Erzwege             
Die Lungauer Bergbau-Geschichte online
© TAURACHSOFT

zur Startseite