Schießarbeit und Bohrtechnik

Ab 1627 wurde nach und nach Schwarzpulver zum Streckenvortrieb verwendet. Diese neue Arbeitstechnik veränderte auch die Arbeit der Hauer. Es fielen Vorbereitungsarbeiten über Tag an, wie zum Beispiel das Herstellen der Zündschnüre. Diese wurden aus Schilfrohr, Stroh oder Binsen angefertigt und mit Brennnesselfasern umwickelt. Weiters galt es, die Schießpatronen herzustellen, wobei man das Pulver in Papier, oder für nassen Felsen, in Leder einrollte.

Die bis zu 70 cm tiefen Bohrlöcher wurden von zwei Männern abwechselnd mit Bohrmeißeln ("Geböhren"), die meistens eine Kreuzschneide besaßen (Kronenbohrer), händisch in den Felsen eingetrieben. Das Bohreisen wurde von einem Knappen am Gestein angesetzt und nach jedem Schlag des anderen darauf um eine Vierteldrehung weiterbewegt. Von Zeit zu Zeit l wurde der Bohrstaub mit einem "Kratzer" herausgeholt. 

Um beim Laden der Löcher keinen Funken zu erzeugen, verwendete man einen hölzernen Ladestock und eine Zündfadennadel aus Kupfer. Verdämmt wurden die Bohrlöcher mit Lehm. Nach dem Abschießen eines oder mehrerer Bohrlöcher musste man eine längere Pause (abhängig von der Bewetterung) einlegen, um den Abzug der Staub- und Rauchschwaden abzuwarten. Im Gegensatz zum Gasteiner Goldbergbau, wo Schießarbeiten schon im Jahre 1642 üblich waren, wurde diese Abbaumethode in Ramingstein erst 1707 erstmals erwähnt und zwar im "Dürnrainrevier an der Schlosspruggn". 

Der Ramingsteiner Verweser Gottfried Neuberg, ehemals "Einfahrer" (Bergbauinspektor) in Gastein, ließ im Jahre 1736 zum Ärger der Hauer nur mehr eine geringe Menge an Brandscheitern hacken, um die Arbeit mit dem Schießpulver zu forcieren. Da der Einsatz des Pulvers jedoch mit hohen Kosten verbunden war und es außerdem geschulter Arbeiter bedurfte, war auch nach 1707 die Arbeit mit dem Brand an vielen Orten üblich.

Durch die Verwendung von Schwarzpulver bei den Schießarbeiten veränderte sich nicht nur die Arbeit der Knappen im Berg. mussten geeignete Möglichkeiten für die Lagerung und die kontrollierte Ausgabe des Pulvers geschaffen werden. Eigens dafür errichtete „Pulvertürme“ bestanden aus einem sehr stabilen Mauerwerk, worauf man eine relativ leichte Dachkonstruktion setzte.

Im Falle einer Detonation (z.B. durch Blitzschlag hervorgerufen) konnte die Druckwelle nach oben entweichen und die zerstörte Dachkonstruktion stellte einen eher geringen Schaden dar.


Schellgadener Pulverturm, 1755 erstmals erwähnt

 

Mit freundlicher Genehmigung der Gemeinde Ramingstein


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