Kräofen, Dürnrain- und Haderbau-Revier


Der Bergbau südlich der Mur erreichte wesentlich größere Ausmaße als jener im Altenbergrevier. Auf über 1,5 km Längserstreckung trifft man im großteils bewaldeten Gebiet auf zahlreiche, mit einigen Ausnahmen verstürzte Stollenmundlöcher, Pingen und zum Teil beachtliche Halden. Das heute überwiegend bewaldete Bergbauterrain bildet einen ca. 800m breiten Streifen zwischen Prehmlehen, Burg Finstergrün, Siebenschläferwand und Ruppenbauern an der Ostflanke des Mislitzgrabens (1075m bis 1330m).

Die ausgedehntesten und noch am weitesten befahrbaren Baue des Kräofen-Revieres sind jene der Fundgrube, die mit dem weiter westlich befindlichen Haderbau und dem dazwischen gelegenen, nicht mehr von obertage zugänglichen Vötterbau ein zusammenhängendes System von Stollen und Abbaufeldern bilden. Unmittelbar südöstlich der Burg Finstergrün befindet sich der Fundgruben- Unterbaues (1075 m), der zur Entwässerung des gesamten Grubengebäudes erst relativ spät (Mitte 18. Jahrhundert) ca. 300m nach SE vorgetrieben wurde. Die Burg bezieht ihr Trinkwasser aus dem Stollen.

In gleicher Weise wie der Haderbau ist der Unterbau die ersten 150m doppelläufig geführt, wobei die beiden Parallelstrecken einen Höhenunterschied von etwa 20m aufweisen und der höhere mittels Aufbruch zutage führt. Offenbar erzielte man durch diese Anordnung die zur Feuersetzarbeit nötige Kaminwirkung.

Der eigentliche Fundgrubenstollen befindet sich ca. 400m weiter südöstlich im Wald (1140m), knapp oberhalb des markierten, bei der Burg beginnenden Wanderweges. Der Stollen ist die ersten 10m entlang einer WNW-streichenden, steil N-fallenden Kluft (k 015-025/85°) im Granatglimmerschiefer bzw. -quarzit eingetrieben, folgt die restlichen 200m aber einer markanten, meist einige dm mächtigen Scherzone, die SW streicht und mittelsteil bis steil nach SE einfällt (125/45-80°). Gleich nach der Stollenbiegung versuchte man, offenbar erfolglos, das vom Verwerfer versetzte Erzlager mit einem in SE-Richtung steil nach unten abgeteuften Schrägschacht in größerer Teufe wiederzufinden. Umgekehrt suchte man das Lager auch mittels Aufbrüchen im Liegenden (NW) des Verwerfers. Ein solcher führt entlang der Scherzone zu den höher gelegenen Siebenschläferbauen. Nach einer weiteren Biegung gelangt man zu einem Querschlag, von dem aus ein Schrägschacht zum Fundgruben-Unterbau hinunterführt. Der Querschlag wurde an einer NNEstreichenden, saigeren, maximal m-mächtigen Mylonitzone angelegt. Das Trinkwasser für die Burg stammt aus wesentlich höher gelegenen Teilen der Lagerstätte, wobei Niederschlagswasser höchstwahrscheinlich im Bereich des Mayringerstollens über dasselbe Störungssystem in das alte Grubengebäude gelangt, das nächst tiefere Abbauniveau der Mayringerzeche durchörtert und schließlich entlang der Mylonitzone in den Fundgruben-Unterbau fließt.

Das Prehmlehen deckt seinen Trinkwasserbedarf aus dem vorderen Abschnitt des Haderbaues. Die eigentlichen Abbaufelder der Fundgrube und des Haderbaues weisen hingegen keine Wasserführung auf. Es sind dies durchwegs niedrige (1,4-1,6m hohe) Weitungsbaue, die im Haderbau 35-80m breit, maximal 225m lang und bis auf schmale Durchlässe mit tauben Gesteinsplatten versetzt sind.

Fundgrube und Haderbau sind als Hoffnungsbaue zu bezeichnen; d.h. man trieb gezielt Suchstollen ins Berginnere, ohne obertägige Erzanbrüche an den Aufschlagpunkten vorgefunden zu haben. 

Das verstürzte Mundloch des Vötterbaues liegt oberhalb des Zufahrtsweges von der Burg zum Prehmlehen. Auch dieser diente wahrscheinlich als Förder- und/oder Wasserlösungsstollen und ist heute großteils ersoffen.

Am Fuß der Siebenschläferwand befindet sich ein kurzer Einbau (1090m), der vermutlich die Siebenschläferbaue unterfahren sollte, jedoch im Tauben steckenblieb. Von der Fundgrube aufwärts stößt man auf eine Reihe weiterer Einbaue und zum Teil ausgedehnte Haldenzüge. Die meisten Stollen sind unzugänglich. Gemäß Weiß handelt es sich um Mayringerstollen, Grabnerin, Barbarastollen, Waldstuben und Leonhardistollen sowie eine Anzahl kleinerer Baue im flachen Gelände östlich Kote 1334. Der oberste ist am Fuß einer Felswand (1305m) angeschlagen. Die durchwegs dicht versetzten Abbaufelder sind auf mehrere Etagen verteilt, was wiederum auf eine intensive tektonische Zerstückelung der Lagerstätte durch die erwähnten Verwerfer hinweist.

Das Dürnrain-Revier erstreckt sich vom Sattel nahe Kote 1334 nach Südwest. Unmittelbar oberhalb einer Forststraße stößt man am Waldrand auf mehrere Einbaue samt davor befindlichen, zum Teil beachtlichen Halden (1310-1330 m). Die Stollenmundlöcher sind jedoch mit einer Ausnahme alle verstürzt. Im dichter bewaldeten, südwestlich anschließenden Areal oberhalb des Ruppengutes befinden sich auf gleicher Höhe sowie ca. 100 m tiefer eine Reihe von Einsturzpingen und kleineren, großteils vegetationsbedeckten Halden. Es dürfte sich hier um ziemlich alte Baue handeln, mit denen man offensichtlich zwei übereinander liegende Erzlager von verschiedenen Ausbißpunkten aus angefahren hat.

Außer den eben beschriebenen südlichsten Ausläufern des Dürnrain-Revieres befinden sich unterhalb einer Forststraße in bewaldetem Terrain entlang eines Fußsteiges (ehemaliger Erzweg?) noch drei Einbaue mit beachtlich großen Halden (1120-1240m). Der tiefstgelegene ist der Johann-Jakobstollen,  der zur Unterfahrung des Revieres angelegt wurde und Verbindung mit dem Haderbau hat. Die Halde ist im unteren Abschnitt mit einer Fichten-Jungkultur bepflanzt.

Weiß schätzt die noch zugängliche Abbaufläche im Kräofen-, Dürnrain- und Haderbau-Revier auf 18.000m2, wobei die insgesamt abgebaute Fläche seiner Meinung nach mindestens mit dem zwei- bis dreifachen Betrag anzusetzen ist.

Der bei weitem ausgedehnteste Haldenkomplex ist jener im Kräofen-Revier, der sich östlich des Fundgrubenstollens von 1090m mehr oder weniger kontinuierlich bis 1260m hinaufzieht und den Abraum aus mehreren übereinander liegenden Einbauen umfaßt. Im unteren Teil wird er vom Siebenschläfersteig (1130m), im höhergelegenen zweimal von einer Forststraße angeschnitten (1200m und 1230m). Die Breite schwankt im unteren Abschnitt zwischen 30m und 70m, im höheren erreicht sie ca. 100m. Grobblockiges Hauwerk (faust- bis kopfgroß und darüber) überwiegt; lediglich in den höchstgelegenen Randbereichen liegt auch feinkörniges Material, was in Kombination mit dem starken Gefälle lokal zur Entstehung von Erosionsrinnen führte. Nur im Westteil konnte sich ein spärlicher Moospolster bilden. Bis auf wenige Lärchen und Fichten, die starken Säbel- und Kümmerwuchs aufweisen, präsentiert sich dieser Haldenzug selbst 200 Jahre nach der Stillegung des Bergbaues noch ohne nennenswerte Vegetationsbedeckung. Die Kubatur wird auf ca. 40.000-45.000m3 geschätzt.

In zahlreichen aufgesammelten Proben ist sulfidisches Erz enthalten, und zwar hauptsächlich Bleiglanz in der typischen Verwachsung mit Granat und Glimmer, untergeordnet auch als mm-kleine Putzen im Quarz eingesprengt. Seltener findet man Blöcke mit etwas Kupferkies, Magnetkies, Zinkblende und tafeligem Ilmenit.

Im Gegensatz zu der eben geschilderten Situation sind die zahlreichen kleinen, oft kreisrunden oder elliptischen Halden im relativ flachen Gelände östlich Kote 1334 durchwegs vegetationsbedeckt (meistens Gras und/oder kleine Fichten). Ihre Kubatur dürfte insgesamt 9.000 m3 nicht übersteigen. Auf einigen Halden des Dürnrain-Revieres findet man ebenfalls Erze, wenngleich in geringerem Ausmaß als auf dem riesigen Haldenzug des Kräofen-Revieres. Die Gesamtkubatur dürfte ca. 50.000-55.000 m3 erreichen, wobei die Mächtigkeit der einzelnen Halden in Abhängigkeit von der Geländemorphologie recht unterschiedlich sein kann.

Die beiden großteils verwachsenen Halden, die sich im bewaldeten Areal vom Mundloch des Haderbaues (1125m) bis an den Südostrand der Prehmlehen-Wiese erstrecken, beinhalten ca. 1100m3 Abraum.

 

Text: Dr.Feitzinger St.Gilgen


Eine Seite zurück

               Lungauer Erzwege             
Die Lungauer Bergbau-Geschichte online
© TAURACHSOFT

zur Startseite