Die erzbischöflichen Beamte
und ihre Funktion

Schon nach sechzehnjähriger Bergbautätigkeit, am 1. Oktober 1459, erließ Erzbischof Sigmund l. von Volkersdorf die Ramingsteiner Bergordnung.

Dieses Dokument beinhaltete gestrenge Richtlinien bezüglich verschiedener Belange des Bergbaues und wurde im Einvernehmen mit den Ramingsteiner Bergleuten verfasst. Die Verleihung von Gruben, die Berggerichtsbarkeit sowie die Arbeitszeit der Knappen waren darin genauso festgelegt wie die Freiheit, einen Wochenmarkt abzuhalten.

Im Verwaltungsbereich waren landesfürstliche Beamte eingesetzt wie zum Beispiel Bergrichter, Wechsler, Fronboten und Waldmeister.

In der Zeit zwischen 1477 und 1685 waren allein in Ramingstein fünfundzwanzig Bergrichter in Folge tätig. In den Orten St. Michael und Mauterndorf, einem wichtigen Handelszentrum, wirkten aufgrund der regen Bergbautätigkeit im 15. u. 16. Jhdt. zusätzliche Bergrichter. Die Hauptaufgaben des Bergrichters bestanden in der Rechtssprechung in seiner Bergbauregion, in der Anordnung von Urteilsvollstreckungen und im Einzug von Strafgeldern. Obwohl es ein Anliegen des Bergrichters war, das Strafausmaß eher gering zu halten, gab es doch Vergehen, die harter Strafen bedurften. Dies zeigt zum Beispiel ein Vorfall aus dem Jahre 1534: Als nämlich der Ramingsteiner Bergrichter Wolfgang Abhauser den Knappen Georg Schneider vlg. Stelzer ermahnte, seine, wegen Gotteslästerlichen Fluchens über ihn verhängte, Arreststrafe anzutreten, attackierte ihn dieser mit seiner Dussege (kurzer Säbel) auf das Heftigste.

Der Knappe wurde daraufhin vom Pflegschaftsgericht in Moosham, welches für "Malefizangelegenheiten" (Mord und Totschlag) zuständig war, zum Tode verurteilt und mit dem Schwerte hingerichtet.

Ein ähnlich hartes Urteil traf im Jahre 1631 das Knappenweib Anna Gapitscherin, welches sein Leben lassen musste nachdem es seinen Mann vergiftet hatte.

Da man sowohl für die Feuersetzarbeiten im Berg als auch in den Schmelzhütten große Mengen an Holz und Holzkohle benötigte, gab es sogenannte Waldmeister, die für eine umsichtige Waldbewirtschaftung verantwortlich waren. Das Amt des Wechslers, Fronboten, Fronschmelzers und Einfahrers (Bergbauinspektors) hatte in der Zeit von 1542-1553 in Ramingstein ein einziger Mann inne und zwar Maximilian Hueber.

Bergrichter Unter- & Oberwaldmeister

Als engster Vertrauter des Erzbischofs Herzog Ernst von Bayern hatte Hueber die Aufgabe, durch sein spezielles Fachwissen die Schmelzarbeiten am Stichofen und den Abtreibeprozess in der landesfürstlichen Schmelzhütte zu überwachen. Weiters hatte er als Fronbote für den sicheren Abtransport der Metalle zu sorgen, um diese in der Folge dem freien Verkauf oder dem Verkauf in Form des Wechsels zuzuführen. Unter Wechsel verstand man den Fixpreis, zu dem der jeweilige Erzbischof das erwirtschaftete Metall ablöste, wobei dieser Preis unter dem freien Marktwert lag.

Wurde von einem Gewerken Kapital in Hoffnungsbauten (Aufschlüsse) investiert oder wurde ihm die Arbeit durch zufließende Gewässer erschwert, gewährte ihm der Landesfürst Fron- oder auch Wechselbefreiung. Diese Befreiungen wurden auch vorübergehend in konjunkturschwachen Zeiten erteilt, um den Bergbaubetrieben wieder einen wirtschaftlichen Aufschwung zu ermöglichen.

Im Gegensatz zu anderen Erzbischöfen, die nicht als Bergbaubetreiber direkt in Erscheinung traten, schien Herzog Ernst von Bayern, Erzbischof vom Herzogtum Salzburg, in der Zeit von 1540-1557 persönlich als Gewerke in Ramingstein auf. Weiters unterhielt er auch den Goldbergbau im Murtal, die Gruben in und um die Zinkwand, sowie die Bleibergwerke in Raibl, welche eine ideale Ergänzung darstellten, benötigte man doch dieses Blei als Flussmittel beim Probeschmelzen der Edelmetalle.

Bei der Ablieferung der Fron (jedes 10. Erzkübels) erfolgte eine genaue Kontrolle durch einen landesfürstlichen Schreiber einerseits und einen Gegenschreiber der Gewerken andererseits.

Diese Abgabe an den Landesherrn löste den bislang üblichen "Vanckhpfenning" ab, der durch die Erzbischöfe von den Bergbaubetreibern eingehoben wurde.

Ein weiterer wichtiger Beamter des Erzbischofs war der Schiner oder Markscheider. Als ausgebildeter Vermessungstechniker war er bei Lehensvergaben oder Grubenstreitigkeiten immer zur Stelle.


Schiener

Nur der geübte Umgang mit Kompass und Gradbogen, später auch mit dem Hängekompass (einer kombinierten Version beider Geräte), ermöglichte eine genaue markscheiderische Aufnahme. Markscheideeisen oder Pinnmarken (in Fels geschlagene Kreuze) zeugen heute noch in den Ramingsteiner Revieren von diesen Arbeiten. Eine besonders schwierige Aufgabe waren die Berechnungen für das Abteufen eines Schachtes, galt es doch einen tiefer gelegenen Stollen an der richtigen Stelle zu durchschlagen. Durch sogenannte Winkelgradvermessungen, die auf dem pythagoreischen Lehrsatz basierten, war es möglich, Durchschläge sowie Wetter- und Förderschächte vorauszuberechnen und dadurch eine Kostenkalkulation für den Gewerken zu erstellen. Derartige Vermessungen (Schienzüge) fanden zum Beispiel im Jahre 1620 am Altenberg und im Jahre 1642 am Dürrnrain statt. Nach dem Verkauf der Silbergruben an die bayrische Regierung war eine markscheiderische Aufnahme im Jahre 1813 die letzte bergmännische Tätigkeit im Ramingsteiner Silberbergbau. 

 

Mit freundlicher Genehmigung der Gemeinde Ramingstein


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