Die Mauterndorfer Hammerwerke unter Pesendorfer und Neuper

Die steirischen Gewerken Josef Pesendorfer und Franz Xaver Neuper waren von 1838 an die Besitzer der „Lungauer Eisengewerkschaft". In der wirtschaftlichen Notzeit nach dem Ende des Fürsterzbistums Salzburg gaben sie als bedeutender Arbeitgeber der Region neuen Aufschwung. Das Hammerwerk Mauterndorf, etwas außerhalb des Marktes am Eingang ins Tauerntal situiert, zu dem noch ein Raffinierwerk gehörte, wurde 1848 nach einem Brand in erweiterter und modernisierter Form neu errichtet und um ein Stabeisenwalzwerk ergänzt. 1850 erwarben Pesendorfer und Neuper auch das bestehende Drahtzughammerwerk, sodass nun alle Grundlagen für die Erzeugung von hochwertigen Eisenprodukten in ihr Hand vereinigt waren. Die Mauterndorfer Anlagen, die mit den Werken in Bundschuh zu einem Betrieb verbunden waren, trugen nach Amalia von Pesendorfer den Namen „Amalienhütte".


Der Hammer (Zeichnung Josef Mittersakschmöller)

Zu Zeiten des Hochbetriebes um 1870 und darüber hinaus wurden hier hochwertige Eisen- und Drahtsorten hergestellt. Dies waren Rundeisen und Viereckeisen von 5 mm bis 30 mm Stärke, Bandeisen in verschiedenen Stärken sowie Sechseckeisen. Ferner wurden alle Drahtsorten hergestellt, in ganz dünner Stärke, wie sie etwa zum Kranzbinden Verwendung finden, bis zu einer Dicke von 3 mm. Nach mündlicher Überlieferung fanden diese Produkte nicht nur in allen österreichischen Ländern sowie in Bayern Absatz, sondern wurden bis nach Italien, in die Türkei und nach Ägypten geliefert. Im Betriebs jähr 1870 beschäftigte die „Lungauer Eisengewerkschaft zu Mauterndorf" 100 Arbeiter: 30 Arbeiter im Eisensteinbergbau in Bundschuh, 20 Arbeiter im Schmelzwerk Bundschuh, 50 Arbeiter im Puddel-, Hammer- und Walzwerk Mauterndorf.


Das um 1850 neu errichtete Verwaltungsgebäude im Hammer

Auch als Wohltäter setzten die Gewerken Pesendorfer und Neuper die Tradition ihrer Vorgänger der Gewerkenzeit fort. Bereits im Jahr 1840 hatten sie das „Wallnerfranzenhaus" Nr. 88, das heutige Cafe Claudio erworben, das lange Zeit Sitz des domkapitlischen Mautamtes gewesen war. Sie schenkten es etwas später dem Markt als „Bruderhaus" zur Unterkunft der Gemeindearmen. Die Pfründner zogen noch im selben Jahr ein und wurden dank großherziger Stiftungen versorgt. Das erste Bruderhaus in Mauterndorf war im 16. Jahrhundert dank mittelalterlicher Mildtätigkeit und brüderlicher Armenfürsorge im Sinne des Knappenwesens entstanden. Die Bruderhausgasse am linken Ufer der Taurach, wo heute das Wohnhaus der Familie Seifter steht, bewahrt dieser sozialen Einrichtung das Andenken, die somit im 19. Jahrhundert durch Pesendorfer und Neuper wiederbelebt wurde.


Der verfallene Eisenhammer

Mit der wachsenden Bedeutung der Eisenbahnen für den Güterverkehr geriet der Lungau ins Abseits der Entwicklung. Die Mauterndor-fer Werke konnten mit den Betrieben, die an den neuen Eisenbahnstrecken lagen, nicht mehr konkurrieren. 1880 mussten die Hammerwerksbetriebe zusperren. Eine bedeutende Abwanderung war die Folge. Zählte der Markt Mauterndorf 1860 noch 1.246 Einwohner, waren es nach 1880 nur mehr 941.

Die alten Mauern und stolzen Häuser können also viele Erinnerungen wecken, aber sie bringen uns auch zum Nachdenken. Es waren fleißige und tüchtige Menschen, die in Mauterndorf wirkten. Es wurde viel geleistet und Großes geschaffen in einer Zeit, der noch kaum der technische Fortschritt von heute zur Seite stand. Mauterndorf hat diesen Vorfahren, besonders den Gewerkenfamlien, nicht nur sein äußeres Erscheinungsbild, sondern auch ein Stück seines Wesens und Charakters zu verdanken. Ein Spaziergang durch unseren Markt und seine Geschichte kann daher auch dazu anregen, die Verbundenheit der Gegenwart mit der Vergangenheit zu erkennen.


Das Drahtzughammerwerk 
(Zeichnung Josef Mittersakschmöller)


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