Mauterndorf: Was die stolzen, alten Häuswe erzählen

Wandern wir heute durch die Straßen Mautern-orfs, nach St. Gertrauden, zur Wolfgangkirche oder zu den Ruinen der Hammerwerke, wo sich wieder ein lebendiger Wirtschaftsstandort entwickelt hat, so blicken uns überall die stummen Zeugen einer reichen geschichtlichen Vergangenheit entgegen.

Mit dem Bergbau und Handel war Mauterndorf zu Wohlstand gekommen. Vom Leben und Schaffen jener Generationen, die ihn aufgebaut haben, berichten die Markthäuser, wo einst Domherren, Adelsfamilien, Gewerken, Bürger und Handwerker ein und aus gingen.


Ortsansicht von 1911

Der Bergbau hatte bis ins 16. Jahrhundert eine führende Rolle für die Wirtschaftsentwicklung der ganzen Region und blieb auch danach noch bedeutend. Eine Urkunde vom Jahre 1287 gibt uns die erste Nachricht, dass im Lungau nach Gold, Silber und anderen Erzen gegraben wurde. Erzbischof Bernhard von Rohr (1466 -1481, + 1487) ernannte im Jahr 1477 einen Georg Weyshaupt zum Bergrichter im Lungau, der seinen Amtssitz höchstwahrscheinlich in Mauterndorf hatte. Die bedeutendsten Bergwerke waren das Arsenikwerk in Rotgülden, der Goldbergbau in Schellgaden, die Silber- und Bleigewinnung in Ramingstein und um einiges später die Eisengewinnung und -Verarbeitung in Bundschuh, Kendlbruck, St. Andrä und eben im Hammer bei Mauterndorf.

Bis ins 16. Jahrhundert, das für unseren Markt eine Blütezeit mit großem Aufschwung brachte, bestand in Mauterndorf ein eigenes Berggericht. Bunt war das Leben und Getriebe in den Marktgassen, wo Fuhrwerke und Säumer durchzogen und die domkapitlischen Untertanen ihre Abgaben lieferten.

Eine wichtige Rolle spielte damals der Gewerke Ludwig Plaphard, der 1553 als Verweser, also Verwalter der Bayerischen Silbergewerkschaft in Mauterndorf genannt wird. Er betrieb Bergbaue am Silbereck im Murtal, in Schellgaden, im Weißpriachtal u.a. Im Urbar scheint von 1572 bis 1588 ein Plaphard zusammen mit einem Wolfgang Windisch als Besitzer eines Hammers unter dem Schloss auf, es heißt darin: „dient hiefür l Pfund Pfennig". Es dürfte sich um das „Hammerl" handeln, das heutige Wohnhaus Nr. 31 der Familie Klaus und Kathi Steinlechner.


Das ehemalige Hammerl

Als Mauterndorfer Gewerke betätigte sich auch der Domdechant Wilhelm von Trautmannsdorf, der ein Eisenwerk in Bundschuh, einen Drahthammer und ein Blahaus (Hochofen) in Mauterndorf innehatte und 1562 diesen Besitz an Plaphard und andere verkaufte. An der Stelle des heute verfallenen Kesselhammers wurde also schon dazumals Eisen gewonnen und verarbeitet. Kupfer und Schwefel bezog Trautmannsdorf aus Zederhaus; in jener Zeit waren das überaus gefragte Rohstoffe. Trautmannsdorf stand deswegen in lebhafter Handelsverbindung mit Nürnberg.

An die Thannhauser, die in Mariapfarr und Pichl ihren Stammsitz hatten und ab 1508 Schächte und Bergbaue im Lun-gau betrieben, erinnert das Putzhaus an der Fleischbrücke, das auch als Thannhauserhaus bezeichnet wurde. 1688 scheint eine Elisabeth Thannhauser als Besitzerin auf, augenscheinlich eine Angehörige dieses Rittergeschlechts. Auf weniger vornehme Wurzeln geht die Bezeichnung „Putzhaus" zurück, die an seine spätere Verwendung als Schlachthaus erinnert. In der Taurach wurden die Eingeweide „geputzt", also gereinigt. Kunstgeschichtlich bedeutsam ist das gotische Portal an der Ecke des Putzhauses sowie ein römischer Meilenstein aus der Zeit des Kaisers Septimius Severus, der hier gefunden wurde. Das erste Haus an der Taurach nördlich der Fleischbrücke ist die malerische Brückenkeusche mit dem anschließenden Bäckenseppenhaus, die beide den Nachkommen von Paula Froß-Büssing gehören.


Die Fleischbrücke mit Putzhaus und Bruckkeusche um 1900

Etliche bedeutende Gewerken stellten auch die Mauterndorfer Bürger. Zu nennen sind die Familien Rechseisen und Anthofer, die sich mit den kostbaren Altären in St. Gertrauden bleibende Andenken gestiftet haben. Die Hackenschmiede an der Taurach, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen dürfte, gehörte nach Urbaraufzeichnungen dem Balthasar Rechseisen zusammen mit einem Georg Spren-gennagel. Die Rede ist von einem „neuaufgerichteten Hammerl und Schleiffmüller" an der Stelle der heutigen Hackenschmiede. Seit 1790 wird die inzwischen modernisierte Schmiede von der Familie Rest betrieben.

Auch der „Peckh" Gilg Löckher, dem offensichtlich das Brotbacken allein zu wenig Lebensinhalt war, versuchte sich als Gewerke. Er bearbeitete einen Stollen im Traning bei Mauterndorf, sein Haus am Schmiedbühel (Nr. 113) besteht bis heute.


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