Der Bergbau in Göriach

Im Zuge der Aufarbeitung der Hausgeschichte des Göriachers Polzengutes stieß der Lungauer Heimatforscher Josef Schitter im Jahr 1981 auf unerwartete Spuren des Bergbaues in Göriach. In den Urbarbücher ist zu lesen "daß zu dem heißischen Gute auf dem Pauschenberg "acht Häuser auf Tratten in Göriach" gehörten und 1534 von einer Familie Heiß noch verzinst worden sind. 

Und gerade das ist nun der Fingerzeig auf die einstmalige Bedeutung der Familie Heiß und ihres Ansitzes auf dem Göriacher Pauschenberg. Denn man fragt sich unwillkürlich, wie dieser Bergbauer zu den 8 Häusern kam, zu welchem Zwecke er einstmals diese Siedlung hatte erbauen lassen und wie reich dieser Bauer am Pauschenberg doch gewesen sein muß, daß er sich so etwas leisten konnte. Nach Erkundigungen bei alten Leuten, wo in Göriach diese "Tratten" gewesen sei, besonders aber durch genaueres Vergleichen in den Urbarbüchern, hat sich dann herausgestellt, daß es jenes Areal war, auf dem heute noch die letzten Häuser von Hintergöriach stehen, nämlich das Jagdhaus und das Jägerhaus. 

"Trata" ist ein slowenischer Name und bedeutet Anger oder Wiese. Also führt dieser Flurname sehr weit zurück bis ins achte Jahrhundert, als die Slawen hier rodeten und siedelten. Und auf dieser Tratten hatte also ein alter Heiß offensichtlich eine Art Wohnsiedlung erbauen lassen: Als eine Werksiedlung für die Knappen der Göriacher Bergwerke und für die Familien dieser Arbeiter, also lauer Knappenstuben! 

Auf Grund der Zugehörigkeit dieser Siedlung zum Gute auf dem Pauschenberg kam heraus, wer die alten Berkwerksunternehmer in Göriach gewesen sind und wo sie gesessen sind: Es waren die Heiß am Pauschenberg. Der Besitzer am Pauschenberge ist also ein "Gewerke" gewesen. Er saß oben wie ein Burgherr auf seinem schönen Gute. Seine Knappen aber betreuten von den "Tratten" aus die Bergwerke im Hinterinkel, und zwar hauptsächlich am Hochgolling und am Pietrach. 

Hier an der Tratten hatten die Knappen mit ihren Familien noch Anschluß an das Hinterdorf und das war wichtig wegen der ganzen Versorgung und Verpflegung, besonders in der Winterzeit. Weiter drinnen wäre die Erhaltung einer dauernden Wohnsiedlung viel schwieriger gewesen. Hier auf der Tratten muß also reges Leben geherrscht haben. Heute würde man eine solche Gruppe von acht betriebseigenen Häusern als eine "Werksiedlung" bezeichnen. Diese "Entdeckung" der Knappensiedlung steht nun auch in voller Übereinstimmung mit den anderen Tatsachen, die anderwärts über die Familie Heiß bekannt sind. In den Berichten und Urkunden, sind diese Heiß bereits um 1420 in Tamsweg als Handelsleute nachgewiesen, und zwar hatten sie sich auf den Handel mit Erz und Salz spezialisiert. Auch als "Gewerken" werden sie ausdrücklich und wiederholt erwähnt. Von den alten Moßhaimern haben sie zahlreiche Güter in und um St. Martin erworben und der dortige Zechnerhof ist dann später ihr Hauptsitz gewesen, als sie im Jahre 1532 vom Kaiser Adelstitel und Wappen erhielten. Aber genau zur selben Zeit ist auch der Besitz am Pauschenberg aufgegeben worden und haben sich die Pölz dort angesiedelt. Es ist aber zu vermuten, daß der Pauschenberg als alter Gewerkensitz die Stammheimat dieser Heiß gewesen ist und daß sie sich von da aus verbreitet haben.

 

Aus der Gemeinde-Chronik
Mit freundlicher Genehmigung der Gemeinde Göriach


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